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Kompromiss knapp vor der Katastrophe

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Endlich können die Libanesen aufatmen, obwohl der weiße Rauch weit entfernt über der katarischen Hauptstadt Doha aufgestiegen ist. Dort ist dem kleinen Emirat ein Wunder gelungen. Der fünftätige innerlibanesische Dialog unter dem Regie der arabischen Liga führte zu einem Durchbruch in der seit drei Jahren fortdauernden politischen Krise. In letzter Sekunde scheinen die akuten Gefahren eines Bürgerkrieges im Zedernland nun fürs erste gebannt zu sein.

Das Abkommen von Doha macht den Weg frei für die Wahl eines Staatspräsidenten und für die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit in Libanon. Sowohl das prowestliche Regierungslager als auch die von der Hisbollah geführte proiranische Opposition waren dazu verdammt, sich vernünftig und realistisch zu verhalten. Die letzten militärischen Konfrontationen in Beirut, Tripoli und in der Bergregion hatten sich rasch in eine Konfrontation zwischen Schiiten, Sunniten und Drusen verwandelt. Ihr Fortdauern würde die Führung der verfeindeten politischen Lagers gleichermaßen bedrohen.

Denn eine weitere Eskalation hätte eine Radikalisierung der Sunniten zur Folge und würde letztlich den Weg für Alkaida in Libanon ebnen, was Saad Al Hariri keinesfalls akzeptieren kann. Auf der anderen Seite kann sich die Hisbollah eine Konfrontation mit der sunnitischen Mehrheit in der arabischen Welt nicht leisten. Noch fataler wäre ein Bürgerkrieg für die libanesischen Christen. Denn sie könnten angesichts ihrer politischen Spaltung zwischen Regierung und Opposition zerrieben werden.

Der Kompromiss zwischen den Libanesen ist ein Schritt in die richtige Richtung. Zu seinem Erfolg benötigt er aber nicht nur den guten Willen der libanesischen Regierung und der Opposition, sondern eine internationale und regionale Unterstützung. US-Präsident Georg W.Bush kann nicht an seinem Konfrontationskurs mit Iran und Syrien in Libanon festhalten. Sein Aufruf während seiner jüngsten Nahostreise zur Ächtung der Hisbollah ist der Stabilität in Libanon nicht unbedingt dienlich. Der Libanon ist ein Land des Kompromisses, das weder Sieger noch Besiegte duldet. Und das ist gut so.

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