Kongo
Die Angst bleibt

Mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses und der Ernennung von Joseph Kabila zum neuen Staatspräsidenten ist der Kongo in die heikelste Phase seines langjährigen Übergangsprozesses getreten. Denn nun wird sich zeigen, ob Kabilas Rivale und Erzfeind Jean Pierre Bemba das Resultat des Urnengangs auch akzeptiert oder erneut zur Gewalt greift.

Die Hoffnung auf eine nachhaltige Befriedung des gebeutelten afrikanischen Landes sollte freilich nicht allzu hoch gehängt werden. Denn die Stimmen aus Bembas Lager, die behaupten, dem früheren Rebellenchef sei der Sieg gestohlen worden, werden immer lauter. Und eine Ablehnung des Wahlergebnisses könnte verheerende Folgen haben, insbesondere in Bembas Hochburg Kinshasa. Dort sind zwar Soldaten des Uno-Friedenskontingents Monuc und der europäischen Eingreiftruppe Eurofor stationiert. Aber niemand kann garantieren, dass diese mögliche Gewaltaktionen verhindern können. Dies lehrt das Beispiel Angola: Dort kehrte der damalige Rebellenchef Jonas Savimibi nach einer verlorenen Wahl im Jahr 1992 in den Busch zurück und legte das südwestafrikanische Ölland dann in Schutt und Asche.

Ob es nach der Wahl Kabilas tatsächlich einen neuen, einen stabilen Kongo geben wird, hängt freilich nicht nur von der politischen Kaste ab. Auch die dortige Bevölkerung stellt einen Unsicherheitsfaktor dar. Ihre Erwartungen in die Zukunft des Kongos sind ebenso hoch wie unrealistisch. Der Lebensstandard lässt sich jedenfalls kaum schnell verbessern. Die Korruption, die die gesamte Gesellschaft durchdringt, kann auch nicht von heute auf morgen ausgerottet werden. Und die These, wonach enttäuschte Hoffnungen und Ungeduld sehr rasch in Misstrauen und Hass münden können, trifft eben auch auf den Kongo zu.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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