Konjunktur
Alle Mittel nutzen

Angesichts der Entscheidung der EZB, den Leitzins für den Euroraum um 50 Basispunkte auf zwei Prozent zu senken, stellt sich die Frage: Sähen die Notenbanken bereits wieder die Saat der nächsten Krise, indem sie jetzt die Zinsen praktisch abschaffen? War das nicht der Fehler, den die US-Notenbank nach dem Platzen der Dotcom-Blase machte? Nein.
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Säen die Notenbanken bereits die Saat der nächsten Krise, indem sie mit den Zinsen so weit nach unten gehen? War das nicht der Fehler, den die US-Notenbank nach dem Platzen der Dotcom-Blase machte, als sie den Leitzins bis auf ein Prozent senkte und lange Zeit dort hielt?

Nein, Zinssenkungen wie die jüngste der Europäischen Zentralbank (EZB) sind absolut notwendig. Die Geldpolitik kann zwar allein die Krise nicht überwinden, aber immer noch einen wesentlichen Beitrag dazu leisten. Um die nächste Krise sollten wir uns später kümmern, und dabei sind nicht nur die Notenbanken gefragt.

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist zum Jahresausklang in nur einem Quartal nach Schätzung der Statistiker um gut eineinhalb Prozent geschrumpft. Die Lage hat sich seither weiter verschlechtert. Prognosen mit zwei Prozent Schrumpfung der Wirtschaftskraft für dieses Jahr sehen da schon optimistisch aus. Man muss bis zur Großen Depression zurückblicken, um eine weltweite Wirtschaftskrise vom Ausmaß dessen zu finden, worauf wir zusteuern.

Die Angst davor, der Konjunktur mit Zinssenkungen zu helfen, rührt von einer alten, aber in Europa einflussreichen Strömung der Ökonomie her, der "österreichischen Schule". Nach dieser Lehre führen zu niedrige Zinsen dazu, dass Kapital in Verwendungen gelenkt wird, die bei normalen Zinssätzen nicht vernünftig wären. Steigen die Zinsen wieder, kommt es zu Krisen. Vertreter der EZB haben ihre Zurückhaltung mit Zinssenkungen vor allem mit diesem Argument begründet. Viele "österreichisch" inspirierte Ökonomen glauben: Krisen müssen ausgeschwitzt werden. Die Schwachen werden ausgesiebt, die Volkswirtschaft wird stärker.

Richtig ist: Die letzte Niedrigzinsphase in den USA hat zu einer massiven Kapitalfehlleitung geführt. Es wurden zu viele Häuser gebaut und gekauft von Leuten, die sich das nicht leisten konnten. Als die Immobilienpreise nicht mehr stiegen, fiel das Kartenhaus in sich zusammen.

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