Konjunktur
Endlich aufwärts

Das Schlimmste liegt hinter uns. Davon sind die Konjunkturbeobachter der Forschungsinstitute und der Wirtschaftsverbände einhellig überzeugt. Ihre Herbstprognosen zeigen: Der Aufschwung ist in Sicht.

Das Schlimmste liegt hinter uns. Davon sind die Konjunkturbeobachter der Forschungsinstitute und der Wirtschaftsverbände einhellig überzeugt. Ihre Herbstprognosen zeigen: Der Aufschwung ist in Sicht. Typisch deutsch ist es wohl, dass sofort in den Wirtschaftsverbänden ein neues Nörgeln anhebt darüber, wie wenig doch knapp zwei Prozent Wachstum seien.

Doch Deutschlands Wirtschaft konnte in den vergangenen zehn Jahren nur zwei Mal, 1994 und 2000, um mehr als zwei Prozent zulegen. Im Rückblick auf die seit drei Jahren herrschende Flaute und die nur knapp vermiedene tiefe Rezession in diesem Jahr müsste also eine Zweiprozentprognose eigentlich Jubel auslösen, verbunden mit der Frage: Wie können wir noch besser werden?

Doch nicht einmal ein richtiger Seufzer der Erleichterung geht durchs Land. Wahrscheinlich liegt dies an dem immer noch verbreiteten Kinderglauben, dass ein Aufschwung nur dann wirklich etwas taugt, wenn durch ihn die Massenarbeitslosigkeit sofort verschwindet, der Staatshaushalt aus üppig sprudelnden Steuerquellen sämtliche Wiedervereinigungsschulden tilgen kann und die Sozialkassen wieder überfließen. Dazu reichen knapp zwei Prozent Wachstum nicht.

Sie genügen aber immerhin dafür, dass die Unternehmen in ihrer Mehrzahl auf wachsende Gewinne hoffen können. Die Arbeitslosigkeit wird so zwar nicht sofort abnehmen. Wenn sich das Wachstum jedoch fortsetzt, müssen spätestens im Jahr 2005 die Unternehmen auch wieder zusätzlich Leute einstellen. Sie werden dies in umso größerem Umfang tun, je schneller die Arbeitsmarktreformen umgesetzt werden.

Noch wichtiger für die Konjunktur am Beginn des Aufschwungs ist jedoch die Steuerpolitik: Unternehmer nehmen sie zurzeit als ständiges Nachdenken der Koalition über neue Steuern zum Stopfen der Haushaltslöcher wahr und zögern deshalb mit Investitionen. Wenn Wachstumsraten von mehr als zwei Prozent pro Jahr in Deutschland Realität werden sollen, muss die Schröder-Regierung sich für einen unternehmensfreundlichen steuerpolitischen Weg entscheiden und den dann durchhalten. Einen langen Atem braucht sie ohnehin: Das Problem leerer Kassen bleibt so lange, wie die Arbeitslosigkeit hoch ist.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%