Konjunktur
Kommentar: Kein Freifahrtschein

Die Wirtschaft läuft gut. Aber die Statistik sollte kein Anlass sein, falsche Schlussfolgerungen zu ziehen.
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Der milde Winter und die kräftige Konjunktur stützen den Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt, die Finanzkrise beeinträchtigt ihn bislang nicht. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt auf den niedrigsten März-Stand seit 15 Jahren, die Arbeitslosenquote verringert sich ebenfalls – und so weiter. Die Bundesagentur für Arbeit verbreitete gestern Nachrichten, die gerne gehört werden – völlig zu Recht.

Unrecht und gefährlich für die deutsche Wirtschaft aber wäre es, sich auf ebendiesen Daten auszuruhen und die Verbesserung am Arbeitsmarkt gar für einen Gute-Laune-Wahlkampf 2009 auszunutzen. Die Zahl der Arbeitslosen ist ein nachlaufender Indikator: Läuft die Konjunktur schlechter und gerät in eine Schwächephase, schlägt sich das auf dem Arbeitsmarkt erst deutlich zeitverzögert nieder.

Wie groß die Gefahr ist, dass die Finanzmarktkrise die US-Wirtschaft und in deren Folge die gesamte Weltwirtschaft abbremst, ist noch immer unklar. Sicher, die deutsche Wirtschaft ist in der bestmöglichen Verfassung, um nicht selbst in die Krise zu schlittern, dank der Rosskur der vergangenen Jahre und der so gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit. Klar ist aber auch, dass selbst eine gesunde (deutsche)Volkswirtschaft sich nicht von der Weltwirtschaft abkoppeln kann, dazu ist sie viel zu offen und exportabhängig.

Wie rasch die konjunkturelle Bremsung wirken kann, deutet der Internationale Währungsfonds in seiner neuen Wachstumsprognosen an: Behält der Fonds recht, wächst die hiesige Wirtschaft 2008 nur um 1,2 Prozent – und damit nicht einmal halb so schnell wie 2007. Aber selbst wenn der Fonds mit der pessimistischsten aller Prognosen unrecht hat, steht eines schon jetzt fest: Zeit zum Ausruhen ist weder vor noch nach der Wahl. Dafür ist das weltwirtschaftliche Umfeld zu schwierig.

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