Konjunktur
Kommentar: Kurzsichtige Unternehmer

Wie ökonomisch denken Deutschlands Unternehmer? Nicht sehr ausgeprägt, möchte man meinen. Andernfalls wäre ihre gute Meinung über die Regierung nicht zu verstehen.
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Unternehmer sind auch nur Menschen. Wenn die Wirtschaft trotz Euro-Höhenflug dynamisch wächst, dann hebt das ihre Laune. Sie haben auch allen Grund zur Zufriedenheit, denn die deutsche Wirtschaft ist nicht nur profitabler, sondern auch robuster gegen Schocks von außen geworden.

Erstaunlich ist allerdings, dass ihre Zufriedenheit auch auf die Noten durchschlägt, die sie der Bundesregierung für ihre Leistung erteilen. In einer Umfrage des Handelsblatts geizen die Wirtschaftsvertreter jedenfalls nicht mit Lob für die Große Koalition, das diese bei allem Respekt nicht verdient hat.

Beispiel Arbeitslosenversicherung: Kaum sind die Kassen der Bundesagentur für Arbeit voll und die Jobchancen Älterer besser geworden, soll die Zahldauer des Arbeitslosengelds verlängert und der Versicherungsbeitrag kräftig gesenkt werden. Speziell mit Letzterem kann die Politik bei der Wirtschaft punkten. Langfristig wirksame Politik sieht aber anders aus: Die sorgt für niedrigere Lohnnebenkosten, aber so, dass der Beitragssatz im nächsten Abschwung nicht gleich wieder prozyklisch erhöht werden muss.

Der Aufschwung füllt die Kassen, doch das darf nicht als Startschuss für ein Wettrennen verstanden werden, wie das Geld am schnellsten und populärsten verteilt werden kann. Die Schlussfolgerung, bei einer gut laufenden Wirtschaft könne auf vorsichtige Ausgabenpolitik und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt verzichtet werden, schafft eine Belastung für die Zukunft. Das scheint im Moment niemanden zu kümmern: Weil die Konjunktur gut läuft, geraten die Erkenntnisse schon wieder in Vergessenheit, die gerade erst unter Schmerzen gewonnen wurden. Aber genau die haben der deutschen Wirtschaft ihre Wettbewerbsfähigkeit zurückgebracht.

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