Konjunktur
Kommentar: Optimismus pur

Selten zuvor gab es eine so tiefe Kluft zwischen der öffentlichen Interpretation der Wachstumsprognose des Herbstgutachtens und ihrer wirklichen Aussage. Fast einhellig wird die Nachricht, wonach die Institute für 2005 ein Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 Prozent – nach 1,8 Prozent im laufenden Jahr – erwarten, als pessimistisch gewertet. Doch dies ist eine massive Fehlinterpretation.

Tatsächlich ist die Prognose der Institute für 2005 extrem ambitioniert, wahrscheinlich sogar viel zu optimistisch. In Wirklichkeit sagen sie für 2005 keinen Ab-, sondern einen Aufschwung voraus, ja fast einen Boom. Denn die Wachstumsprognose der Institute ist erheblich verzerrt – sie ist nicht um die Zahl der Arbeitstage bereinigt. Im laufenden Jahr fallen ungewöhnlich viele Feiertage auf Wochenenden, das Jahr hat statistisch 3,3 Arbeitstage mehr als 2003. Allein das beflügelt die Wirtschaftsleistung um knapp 0,6 Prozentpunkte. Rechnet man diesen Sondereffekt, der nichts mit Konjunktur zu tun hat, aus den Zahlen heraus, schrumpft das Wachstum für 2004 auf nur noch 1,2 Prozent. Das kommende Jahr hat dagegen wieder weniger Arbeitstage – nach Schätzung des DIHK kostet allein dies 0,8 Prozentpunkte Wachstum. Der „echte“ BIP-Anstieg läge damit 2005 bei 2,3 Prozent.

Mit einer solchen Wachstumsrate würde Deutschland fast schon eine Überhitzung drohen. Die meisten Volkswirte beziffern das Wachstumspotenzial, mit der die heimische Wirtschaft auf Dauer ohne Inflationsdruck wachsen kann, auf rund 1,5 Prozent. Nur: Angesichts der erwarteten Abschwächung der Weltwirtschaft, der chronisch lahmen Binnenkonjunktur und des dramatisch hohen Ölpreises dürfte sich das Szenario wohl leider als Science-Fiction erweisen.

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