Konjunktur
Nicht auf die USA verlassen

Vor sechs bis acht Wochen noch geisterten die Horrorszenarien Rezession und Deflation durch die Köpfe. Jetzt plötzlich sehen hier zu Lande fast alle den Aufschwung vor der Tür.

Ausgerechnet die DDR-Nationalhymne bringt die real existierende Konjunkturstimmung in Deutschland präzise auf den Punkt: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“. Vor sechs bis acht Wochen noch geisterten die Horrorszenarien Rezession und Deflation durch die Köpfe. Jetzt plötzlich sehen hier zu Lande fast alle den Aufschwung vor der Tür. Selten zuvor hat sich in so kurzer Zeit die Stimmung so komplett gewandelt. Zuerst wegen der versprochenen Steuersenkungen – jetzt auch, weil die US-Wirtschaft schneller in Fahrt zu kommen scheint.

Doch auf die US-Konjunktur als Retter in der Not sollte Deutschland diesmal besser nicht bauen. Keine Frage: Das zweite Quartal ist in den USA besser gelaufen als erwartet. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann dort aber noch keine Rede sein. Derzeit bringt vor allem der Staat die Wirtschaft auf Touren – wegen des Irak- Kriegs stiegen die Rüstungsausgaben um 44 Prozent. Sonst wäre die Wirtschaft nicht um 2,4 Prozent gewachsen, sondern nur um 0,7 Prozent.

Zweite Achillesferse der US-Wirtschaft sind die Verbraucher. Ihr Verhalten ist losgelöst von der ökonomischen Realität. Quartal für Quartal steigen ihre Ausgaben stärker als die Gesamtwirtschaft – ein Tempo, das auf Dauer nicht durchzuhalten ist. Denn der Arbeitsmarkt ist lausig, die Einkommen wachsen nur langsam, die Sparquote ist historisch niedrig, der Schuldenberg rekordverdächtig. Mit immer neuen Zins- und Steuersenkungen konnten Notenbank und Regierung bislang das Schlimmste verhindern. Aber der Politik droht die Munition auszugehen. Und bislang gibt es kaum Signale, dass das größte Nachfrageprogramm seit Dekaden die Initialzündung für die Konjunktur bringt. Am Arbeitsmarkt geht der Zauber spurlos vorbei.

Aber selbst wenn es der US- Wirtschaft bald wirklich wieder nachhaltig besser geht und damit auch der Dollar wieder aufwerten würde – der Höhenflug des Euros wird die deutschen Exporteure noch eine Weile belasten. Unabhängig davon gilt zudem: Ein US-Aufschwung wirkt sich weniger stark auf Deutschland aus als ein Abschwung, zeigen Studien. Besser also, die deutsche Wirtschaftspolitik verlässt sich auf sich selbst, zieht die frühe Steuerreform wie die Agenda 2010 durch – und geht sofort in die nächste Runde bei den Strukturreformen.

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