Konjunktur
Noch viel zu tun

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Gestern hat der Dachverband der Deutschen Industrie- und Handelskammern seine Konjunkturumfrage vorgelegt. Mit dem Ergebnis:Die bereits exzellente Stimmung der Unternehmen steigt weiter und ist so gut wie zuletzt zu Zeiten der Wiedervereinigung. In Zeiten des Aufschwungs wächst die Liste der Gewinner: Unternehmenszweige wie die in den Vorjahren arg gebeutelte Bauindustrie zählen dazu. Und vor allem die Arbeitslosen, die jetzt wieder Chancen auf Jobs haben.

Umso betrüblicher ist, dass es just in Zeiten des Booms auch immer mehr „Verlierer“ gibt. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen klettert von einem Rekordhoch zum nächsten. Im ersten Halbjahr 2007 dürften beinahe 20 Prozent mehr betroffen sein als im Vorjahreszeitraum. Hier setzt sich ungebrochen ein Trend fort: Seit Haushalte 1999 die Möglichkeit bekommen haben, sich über ein Insolvenzverfahren von ihren Schulden zu befreien, wächst das Volumen dieser Insolvenzen explosionsartig.

Wer an private Überschuldung denkt, dem fallen sorglose Vieltelefonierer ein, die ihre Handy-Rechnung nicht unter Kontrolle haben. Oder Leute, die auf die immer aggressivere Werbung der Banken für Konsumkredite hereinfallen und das Rechnen verlernt haben. Und richtig: Ökonomische Bildung für den Hausgebrauch ist immer noch Mangelware – dabei sollte sie Pflichtfach an den Schulen werden.

Aber das ist nur die Oberfläche des Problems. Jede Statistik verrät: Private Verschuldung ist vor allem dort ein Problem, wo es wirtschaftlich schlecht läuft. Bei der Schufa bekommt daher Starnberg die besten Noten in ganz Deutschland und Pirmasens die schlechtesten. Das zeigt einmal mehr: Trotz Aufschwungs ist in den schwachen Regionen noch viel zu tun, um Arbeitsplätze zu schaffen und Sozial- und Bildungsghettos aufzubrechen.

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