Konjunktur
Viele Widersprüche

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Es herrscht Katerstimmung an den Kreditmärkten. Die Banken ächzen unter milliardenschweren Verlusten als Folge der Subprime-Krise. Die US-Notenbank muss kräftig die Zinsen senken, weil sie eine Rezession fürchtet, die Europäische Zentralbank (EZB) muss die eigentlich geplante Zinserhöhung erst einmal ad acta legen. Gleichzeitig setzen die Aktienmärkte in den USA ebenso wie in Deutschland zu einer Rekordjagd an. Die deutschen Maschinenbauer berichten von der stärksten Boomphase seit fast 50 Jahren. Das alles klingt widersprüchlich – und ist es auch.

Inzwischen ist herrschende Meinung, dass nicht nur die USA den Gipfel der Konjunkturentwicklung hinter sich gelassen haben, sondern auch Europa. An konjunkturellen Wendepunkten sind solche widersprüchliche Entwicklungen normal. Der Aufschwung hat Trends etabliert, die unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten gehorchen und unterschiedlich schnell kippen. Bei den Dienstleistern, zu denen auch die Banken gehören, hat es bereits einen Einbruch im Geschäftsklima gegeben. Der Maschinenbau dagegen profitiert noch von der boomenden Nachfrage aus stark wachsenden Schwellenländern wie China und Indien oder von Rohstoffexporteuren, die im Geld schwimmen.

Noch hat sich der starke Euro nicht negativ bemerkbar gemacht. Denn es dauert lange, bis veränderte Wettbewerbsverhältnisse die etablierten Lieferbeziehungen durcheinanderwirbeln. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Andere europäische Länder, die weniger Hochtechnologie exportieren als Deutschland, werden noch früher Probleme bekommen. Für die Geldpolitik heißt das: Sie sollte bereit sein, jeglichen Spielraum, den ihr die inflationsdämpfende Wirkung des starken Euros gibt, in niedrige Zinsen umzusetzen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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