Konkurrenz für Etablierte
28.Juli 2005: Aufstieg der Linkspartei

Ende Juli erreicht die neue Linkspartei den Gipfel: Die Demoskopen bescheinigen der umbenannten PDS Werte um die zwölf Prozent. Wenig später schon geifert CDU-Chef Edmund Stoiber erbost, die "Frustrierten im Osten" dürften nicht wieder die Wahl entscheiden.

Der rasante Aufstieg der äußersten Linken ist das Ergebnis einer Kooperation ungleicher Brüder: Die lediglich im Osten verankerte PDS kann sich allein kaum Hoffnung auf den Einzug in den Bundestag machen. Das Gleiche gilt für die neue Wahlalternative (WASG) im Westen, ein Bündnis enttäuschter Gewerkschafter und Ex-Sozialdemokraten. Gemeinsam triumphieren sie nun, bald drittstärkste Kraft im Parlament zu sein - vor allem seit der ehemalige SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine sich zum Spitzenkandidaten aufschwingt. Arm in Arm mit dem PDS-Schlachtross Gregor Gysi attackiert er nun alle anderen Parteien als neoliberal. Echte soziale Gerechtigkeit haben sie sich auf die rote Fahne geschrieben - Hartz IV soll weg und ein Mindestlohn von 1 400 Euro her.

Ein Bündnis gleichberechtigter Partner ist die neue Linkspartei jedoch mitnichten: Es handelt sich lediglich um eine umbenannte PDS, die Mitglieder der WASG auf ihren Listen kandidieren lässt. Eine echte Fusion ist erst irgendwann in der Zukunft geplant. Es folgt Unmut auf beiden Seiten: Ost-Sozialisten nörgeln, Lafontaine führe sich als Superstar auf und missbrauche die PDS als Sprungbrett für sein Comeback - sein "Fremdarbeiter"-Ausrutscher sowie sein großbürgerlicher Lebensstil kommen bei den Genossen nicht gut an. Die WASGler hingegen ärgern sich über die Dominanz der PDS, diverse Mitglieder steigen aus. Dazu kommt wahlgesetzliche Unsicherheit: Nur ganz wenige WASGler dürfen auf den Listen auftauchen, sonst sind diese womöglich ungesetzlich, droht der Bundeswahlleiter.

Die etablierten Parteien werfen der Linken vor, ihre Träume seien nicht finanzierbar und attackieren die Galionsfiguren als Drückeberger - Lafontaine hatte einst den SPD-Vorsitz samt Finanzministeramt hingeworfen, Gysi den Job als Wirtschaftssenator in Berlin. Doch regieren wollen die Linken ohnehin nicht. Mit wem auch? Selbst die SPD schließt eine Zusammenarbeit kategorisch aus.

Direkt vor der Wahl ist viel roter Lack abgeblättert: Womöglich erzielen die Linken weder die anvisierten acht Prozent noch die fünf Direktmandate. Der Platz als drittstärkste Kraft könnte nun doch noch an die Grünen verloren gehen. Doch das Hauptziel, der Einzug in den Bundestag, ist sicher. So wird die Linke rechnerisch zum Schwergewicht, das am Ende eine große Koalition erzwingen oder gar eine Ampelkoalition ermöglichen könnte. bag

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