Konsolidierung der Bankenlandschaft
Der Druck bleibt

Armes Deutschland! Da sprechen die Banken schon seit gut einem Jahrzehnt über die Konsolidierung in ihrer Branche. Doch den vielen Worten folgen nur langsam Taten. Und das vor allem im Ausland. Denn die Landesbank Berlin bleibt im öffentlich-rechtlichen Sektor und wird vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband gekauft.
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Für den Erfolg gibt es mehrere Möglichkeiten, eine schlimmer als die andere: Die Ausländer sehen Deutschland schlicht als nicht attraktiv genug an, obwohl die LBB einiges zu bieten hat. So besitzt sie einen hohen Marktanteil in der Hauptstadt Berlin, eine starke Stellung im Kreditkartenmarkt und ein gutes Fondsgeschäft. Die Konsolidierungsstory geht gleichfalls weiter. Last, but not least könnte das Institut das Einfallstor im Sparkassensektor sein, wenn es zum sehnsüchtig erhofften Aufbrechen des Bereichs kommt.

Doch das alles reichte Banken wie BNP Paribas, Unicredit und Royal Bank of Scotland nicht, um im Bieterprozess um die Landesbank bei der Stange zu bleiben. Sie verabschiedeten sich frühzeitig. Selbst die Finanzinvestoren Cerberus und Flowers, die derzeit im Geld schwimmen und nicht wissen, wohin damit, zogen die Reißleine. Die Bieter machten ihr Glück etwa bei der österreichischen Gewerkschaftsbank Bawag und der italienischen Capitalia oder zettelten einen Übernahmeversuch bei der holländischen ABN Amro an.

Nahezu Fehlanzeige auch bei heimischen Privatbanken. Am Ende war es fast schon peinlich, als die Commerzbank lange Zeit mit drei Landesbanken und dem Sparkassenverband um die LBB rang. Offenbar sind Sonntagsreden über die nötige Öffnung des öffentlich-rechtlichen Sektors eines. Wenn es zum Schwur kommt, hält nur noch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller die Fahne für die Privatbanken hoch. Wo blieb etwa die Dresdner Bank? Warum hielt sich die Deutsche Bank nicht bei der Berliner Bank zurück, um bei der Landesbank in der Hauptstadt zuzugreifen?

In letzter Konsequenz entschied aber der Preis. Wer an der Börse notiert ist, kann seinen Aktionären, den Analysten und Fondsmanagern kein X für ein U vormachen. Ein Kauf der LBB muss sich für den Übernehmer lohnen und letztlich auf Dauer einen ordentlichen Ertrag bringen. Und dafür sind die Berliner zu teuer. Die Sparkassen haben es schon besser. Sie müssen nicht so hohe Renditen erzielen, und mit Sparkassenpräsident Heinrich Haasis führt die Öffentlich-Rechtlichen zudem ein begnadeter Strippenzieher. Er verstand es, die eigenen Reihen nach anfänglichem Murren an der Basis zu schließen. Und auch die Politik mit dem Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin an der Spitze zog er am Ende auf seine Seite.

Für die Konsolidierung in Deutschland bringt das alles wenig. Die Landesbanken stehen weiter unter enormem Druck und stehen Fusionen zögerlich gegenüber. Bei den Privatbanken sieht es auch nicht viel besser aus. Sie begnügen sich bislang mit kleinen Zukäufen. Das reicht aber nicht aus, um auf Augenhöhe mit den Großbanken in Großbritannien, Italien und Spanien zu kommen. Spätestens im nächsten Konjunkturabschwung drohen sie zur leichten Beute für die Royal Bank of Scotlands dieser Welt zu werden. Denn in der Finanzwelt gilt die eiserne Regel: schlucken oder geschluckt werden.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

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