Konzentration gilt seit langem als überfällig
Analyse: Der deutsche Bankenmarkt ist reif für Übernahmen

Die Commerzbank und die Hypo-Vereinsbank gelten in Finanzkreisen als die wahrscheinlichsten Zielkandidaten.

FRANKFURT/M. Ein Schweizer Banker mit deutschem Pass brachte die Börse in Wallung. Seit Oswald Grübel, Co-Vorstandschef von Credit Suisse, im Handelsblatt Interesse am Kauf deutscher Banken anmeldete, überschlagen sich die Übernahmespekulationen. Die Commerzbank und Hypo-Vereinsbank gelten dabei als wahrscheinlichste Übernahmekandidaten. Alternativ gilt auch eine Fusion beider Institute als möglich. Deutsche und Dresdner Bank stehen zwar weit weniger im Blickpunkt – doch völlig ausgeschlossen ist selbst ein Zusammengehen nicht.

Auf fruchtbaren Boden fallen die Spekulationen vor allem, weil eine Konzentration im zersplitterten deutschen Bankgeschäft seit langem als überfällig gilt. Und ausländische Banken gelten stärker denn je als Aufkäufer, weil sie in ihren Heimatländern aus kartellrechtlichen Gründen kaum noch kaufen können und deutsche Banken derzeit billig zu haben sind.

Warum sollten Ausländer überhaupt deutsche Banken kaufen?

Das klassische Argument gegen die Übernahme einer deutschen Bank ist ihre erbärmliche Profitabilität. Hochrentable internationale Häuser könnten einen solchen Kauf gegenüber ihren Aktionäre kaum rechtfertigen. Doch das Blatt könnte sich wenden. Mit den Rosskuren in den vergangenen Jahren haben die heimischen Institute ihre Kosten radikal gedrückt. Jetzt liegt der Fokus auf der Steigerung der Margen im Kreditgeschäft. Hinzu kommt: Ein bis dato wichtiger Konkurrent, die Landesbanken haben massive Probleme. Zudem verlieren sie mit Wegfall der Staatsgarantien 2005 einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Im Umkehrschluss heißt das: Die Marktchancen für die Großbanken verbessern sich.

Wer hat Interesse angemeldet?

Theoretisch können ein Dutzend amerikaniche und europäische Banken alle deutschen Geldhäuser mit Ausnahme der Deutschen Bank quasi aus der Portokasse bezahlen. Doch abgesehen von Credit Suisse macht kaum jemand Anstalten, seine Ambitionen publik zu machen. Zwar kündigte Citigroup-Chef Sandy Weill kürzlich an, die Amerikaner wollten ihr Deutschland-Engagement ausbauen. Ob damit der Kauf einer Großbank gemeint ist, blieb jedoch offen.

Auch bei anderen Banken sind die öffentlichen Statements eher weich: Zwar betonen etwa die Chefs von BNP Paribas oder Royal Bank of Scotland stets ihr Interesse – schränken aber im gleichem Atemzug ein, dass sie sich eher für bestimmte Geschäftssparten als für den Kauf einer Großbank interessieren. Allerdings: Wer wirklich schnell und ernsthaft zuschlagen will, wird dies wahrscheinlich nicht öffentlich ankündigen. Wer könnte gekauft werden?

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