Konzern in Not
US-Versicherungsriese AIG ist schlachtreif

Es war einmal die größte Versicherung der Welt. Für einen Nachruf auf AIG ist es zwar noch zu früh, doch viel fehlt nicht mehr.

Egal, wie das Drama in Amerika ausgeht und wie viele Milliarden die US-Notenbank nun kurzfristig in das Unternehmen pulvert, AIG ist seit gestern kein Aushängeschild der amerikanischen Wirtschaft mehr. Der Versicherer steht vor dem Aus. Und das ausgerechnet in einer Branche, der man nachsagt, dass sie Risiken besonders gut einschätzen kann.

AIG konnte das nicht, wie die vergangenen zwölf Monate mit immer neuen Milliardenverlusten eindrucksvoll belegen. Das hat vor allem zwei Gründe. Erstens haben sich die Amerikaner in Bereiche verirrt, die mit ihrem Kerngeschäft, dem Verkauf von Versicherungen, nur wenig bis gar nichts zu tun haben. Zweitens ist die Kontrolle von Versicherungsunternehmen in Amerika völlig ungenügend und antiquiert.

Jeder Bundesstaat prüft seine jeweiligen Unternehmen. Die übergeordnete Ebene ist in einem Verband organisiert und fachlich nicht auf der Höhe. In Zeiten der Globalisierung ist solch eine Struktur überholt. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, sich auszumalen, wie der Weltkonzern AIG seine lokal orientierten Aufseher immer wieder geschickt ausgebootet und auf diese Weise das wahre Risiko vieler seiner Geschäfte im amerikanischen Hypothekenmarkt jahrelang verschleiert hat.

Dass die Kontrolle der Versicherer in der Europäischen Union besser funktioniert, dafür liefert auch die Schweiz einen Beleg. Interessanterweise hat in dem Nicht-EU-Mitglied das zweite Sorgenkind der Versicherungswirtschaft seinen Sitz. Gemeint ist Swiss Re, deren Abschreibungsbedarf im Zuge der Finanzkrise ebenfalls gigantische Ausmaße angenommen hat. Von einer Existenzkrise wie bei AIG kann in der Schweiz aber keine Rede sein.

AIG ist in vieler Hinsicht ein Sonderfall und wird es zumindest mit Blick auf die EU wohl auch bleiben. Dennoch bleibt der Niedergang des amerikanischen Flaggschiffs nicht folgenlos für den Rest der Branche. Ob und in welcher Form AIG überlebt, ist dabei zweitrangig. Der Vertrauensverlust betrifft alle.

Investoren werden nun erneut alle Versicherer durchleuchten und deren Bilanzen hinterfragen. Dagegen hilft nur eins: gnadenlos transparent sein und alle möglichen, weiteren Risiken offenlegen. Nur wenn sich die Finanzmärkte ein noch besseres Bild von der Situation der Branche machen können, kann verspieltes Vertrauen neu aufgebaut werden.

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