Korea
Kim Jong-Ils Handel

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Es war eine Demonstration: Zu Fuß überquerte Roh Moo-Hyun die Demarkationslinie zum Norden seines Landes, um dort Kim Jong-Il seine Aufwartung zu machen. Immerhin gilt die Waffenstillstandslinie am 38. Breitengrad als die am schärfsten gesicherte Grenze der Welt. Nun, so will Südkoreas Präsident seinen symbolischen Schritt wohl verstanden wissen, soll sie durchlässig, wenn nicht gar aufgehoben werden. Offiziell kann sich der Diktator im Norden diese Interpretation natürlich nicht zu eigen machen. Mit der Zustimmung zu einer raschen Öffnung seines vom ihm so hoch gepriesenen Arbeiter- und Bauernparadieses in absehbarer Zeit würde er nicht nur einen Gesichts-, sondern unweigerlich auch einen Machtverlust provozieren. Dies ist Kim Jong-Ils größte Sorge. Aber Gesten der Entspannung will er dem internationalen Publikum schon bieten. Allerdings: Seine wiederholte vollmundige Ankündigung, alsbald atomare Abstinenz üben zu wollen, entspringt nicht unbedingt ausgeprägtem Friedenswillen oder gar einer Läuterung des Diktators, sondern eher der schieren Not.

Nicht nur Kim, die ganze Welt, vor allem aber seine seit über fünfzig Jahren darbenden Landsleute wissen, dass der Norden der Halbinsel bankrott ist. Und hier lauert für Kim die eigentliche Gefahr. Auch wenn er und Roh ein Abkommen über Frieden, Wohlstand und enge wirtschaftliche Zusammenarbeit signiert haben: Kim muss die Wirtschaft zwar stärken, um sich zu halten, wird aber bremsen, wenn er Machtverlust fürchtet. Insofern darf im Land der Morgenstille von einer Wiedervereinigung allenfalls weiter geträumt werden. Denn mit Zuckerbrot alleine lässt sich Kim seine kommunistischen Illusionen sicher nicht austreiben.

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