Korruption
Geschäft und Moral

Während Siemens für seinen Umgang mit Schmiergeldern in Deutschland und international am Pranger steht, erledigt die britische Regierung den prominentesten Bestechungsfall mit einem Federstrich.

Die eigens für solche Fälle geschaffene Ermittlungsbehörde stellt nach mehr als zwei Jahren ihre Bemühungen ein, die massiven Vorwürfe gegen den Rüstungskonzern BAE Systems im Zusammenhang mit der Lieferung von Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien zu klären. Die strategischen Beziehungen zu dem Königreich sind Tony Blair einfach zu wichtig, um sie durch Korruptionsfahnder gefährden zu lassen.Was liegt eher im Interesse eines Landes? Ein Milliardenauftrag, der Tausende von Arbeitsplätzen sichert oder Recht und Gesetz? Kann es uns egal sein, wenn saudische Prinzen sich auf Kosten eines europäischen Rüstungskonzerns in Londoner Luxushotels vergnügen und Jumbo-Jets voller Präsente mit nach Hause bringen – falls die Vorwürfe stimmen? „Letzten Endes geht es um die Frage, ob wir oder die Amerikaner oder die Franzosen schmieren“, beschreibt ein Vertreter der Industrie die Usancen. Wenn das so stimmt – sind dann internationale Abkommen und nationale Gesetze zur Bekämpfung der Korruption reine Heuchelei?

Die Beziehung zwischen Geschäft und Moral ist schwierig. Wie so oft im Leben gibt es auch hier viele Graustufen zwischen Schwarz und Weiß. Wahrscheinlich ist es naiv, zu glauben, in manchen Ländern Geschäfte machen zu können, ohne Mittelsmänner zu bezahlen. Und sicher fällt es Herstellern von Konsumgütern leichter als Infrastruktur-Lieferanten, sauber zu bleiben. Es ist leicht, jetzt mit der großen Moralkeule auf Siemens einzudreschen. Ungleich schwerer ist es, das globale Handaufhalten auszurotten. Doch den Kampf müssen wir alle zusammen führen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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