Kosovo
Dubiose EU-Politik

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Vier Länder, darunter Deutschland, haben sich für eine Anerkennung des neuen Zwergstaats auf dem Balkan ausgesprochen. Sechs weitere EU-Staaten, darunter Spanien, sind strikt dagegen. Die Mehrheit schweigt und wartet ab, bis sich die Wogen glätten. Derweil geben die USA den Ton an – wie so oft, wenn die Europäer zerstritten sind.

Die EU hat neun Jahre lang geschlafen. Seit dem Kosovo-Krieg 1999 wäre genug Zeit gewesen, den Serben die Hand zu reichen und sie unwiderruflich an Europa zu binden. Stattdessen hat die EU die Dinge treiben lassen und sich auf Geschäfte mit dubiosen Kosovo-Politikern eingelassen. Heimlich wurden Absprachen für die Unabhängigkeit getroffen, verstohlen Planungen für eine EU-Polizeimission vorangetrieben.

Nun stehen die Europäer mit leeren Händen da. Die Beziehung zu Serbien? Sie ist gründlich verdorben, wahrscheinlich droht eine jahrelange Eiszeit. Das Verhältnis zum Kosovo? Es ist ambivalent, und das dürfte noch lange so bleiben. Schließlich erfüllt das Kosovo nicht im Ansatz die Prinzipien und Werte, die in Europa selbstverständlich sein sollten. Doch nach der Unabhängigkeitserklärung und der Anerkennung durch die USA hat die EU kaum noch einen Hebel, um Druck auf die Kosovo-Albaner auszuüben.

Gewiss, irgendwie wird auch diese Krise vorübergehen. Die EU wird sich auf Formelkompromisse einigen, sie wird Milliarden investieren und auf Besserung hoffen. Die Chance für eine kohärente und eigenständige Balkanpolitik jedoch wurde ein für alle Mal verpasst. Die EU hat sich von den USA auf einen Holzweg führen lassen, und sie wird dafür einen hohen Preis bezahlen müssen.

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