Kosovo
Vergebliche Liebesmüh

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Die Bundesregierung hat natürlich Recht, wenn sie meint, dass jede Chance zum Dialog zwischen Serben und Kosovaren genutzt werden müsse. Die Crux dabei ist aber, dass beide Parteien seit nunmehr acht Jahren unterschiedliche Ziele verfolgen.Die auf dem Amselfeld lebenden Albaner fordern Unabhängigkeit, die Serben wollen ihrer Provinz allenfalls eine Teilautonomie gewähren. Und an beiden Positionen wird sich vorerst nichts ändern. Insofern war das Bemühen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den zur Visite in Berlin weilenden serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica zu einer konzilianteren Haltung zu bewegen, sicher vergebliche Liebesmüh. Schließlich hat man in Belgrad bislang auch dem Lockruf der EU widerstanden, die Entlassung der südserbischen Provinz in die Unabhängigkeit mit einem Stabilisierungs- und Assoziationsabkommen zu belohnen.

Serbiens Regierung glaubt, sich solche Hartnäckigkeit leisten zu können. Immerhin hat Russland ihr gerade wieder einmal den Rücken gestärkt. So hat Moskau einen neuen Kompromissvorschlag zum künftigen Status des Kosovos brüsk abgelehnt. Und die Sprache ist eindeutig: Sollte im Uno-Sicherheitsrat tatsächlich über das Thema abgestimmt werden, werde man auf jeden Fall sein Vetorecht nutzen. Ob diese Taktik nun reiner Sympathie für die Serben entspringt, ist höchst fraglich. Denn der neue Resolutionsentwurf, der wesentlich auf dem Plan von Uno-Sonderemissär Martti Ahtisaari basiert, sieht vor, dass die jetzige Uno-Verwaltung auf dem Amselfeld beendet wird. Die Sicherheit sollen dann vorerst EU und Nato garantieren. Und für Moskau heißt das eben: eine weitere Expansion des Westens, die es auf jeden Fall zu verhindern gilt.

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