Krankenkasse
Gelegenheit macht Diebe

Ausgerechnet zu Weihnachten beschließen die meisten gesetzlichen Krankenkassen, die Beiträge zum Teil drastisch zu erhöhen. Wundern muss das aber nicht. Aus Sicht der Kassen ist die Gelegenheit sehr günstig, die Einnahmeseite ihrer Bilanz zu verbessern.

Denn die große Koalition unternimmt seit ihrem Antritt alles, um die Schuld an steigenden Gesundheitskosten auf sich zu ziehen. So wird die Mehrwertsteuererhöhung die Kostenexplosion noch befeuern. Gleichzeitig hat die Regierung den einst fest zugesagten Steuerzuschuss reduziert. Und die Gesundheitsreform, obwohl noch nicht beschlossen, verlangt, dass die Kassen ihre Schulden so schnell wie möglich abbauen. Gelegenheit macht Diebe: Nach den Steilvorlagen der Regierung können die Kassen also ganz entspannt zulangen. Wer außer der angeschlagenen Ministerin Ulla Schmidt fragt noch danach, wie effizient die Kassen mit dem Geld der Versicherten gewirtschaftet haben? Wer verlangt noch, dass die Kassen Druck auf die Anbieter von Arzneien ausüben, die Preissteigerungen im Rahmen zu halten? Niemand.

Die einzig wirkende Beitragsbremse ist der Wettbewerb der Kassen untereinander. Die großen wie Barmer, AOK & Co. müssen sich schon fragen, wer dort noch Mitglied bleiben will, wenn die Schere zwischen den von ihnen verlangten Beiträgen und denen der Betriebskrankenkassen weiter aufgeht. Zumindest die Barmer hat daraus die Lehren gezogen. Mit Blick auf die Konkurrenz rang sie sich doch zu einer weniger starken Erhöhung durch.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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