Krankenkassen
Kommentar: Bitterer Aderlass

Die 16 deutschen Ortskrankenkassen stecken schon seit Jahren in einem Teufelskreis. Weil sie viele kranke Versicherte haben, deren Kosten durch den Finanzausgleich zwischen den Kassen nur zum Teil ausgeglichen werden, liegen bis auf Ausnahmen wie die AOK-Sachsen ihre Beitragssätze deutlich über dem Durchschnitt. Anders als Barmer und CO können sie regionale Kostenunterschiede nicht bundesweit ausgleichen, weil sie nur regional aufgestellt sind. Zwei Millionen Versicherte haben daher dem AOK-System in den vergangenen Jahren den Rücken gekehrt.

Etliche AOKs haben auf diese Entwicklung mit der Flucht in Schulden reagiert – mit Billigung der Landesaufsichtsbehörden. Das rächt sich nun bitter. Weil diese Schulden nach der Gesundheitsreform bis spätestens Ende 2008 abgebaut werden mussten, erhöhte z.B. die AOK-Rheinland-Pfalz ihren Beitrag zum 1. Januar um satte 1,6 Prozentpunkte. Bei anderen AOKs war der Schluck aus der Beitragspulle zwar mit 0,5 bis 1,1 Punkten nicht ganz so hoch. Aber er fand auf hohem Niveau statt. Die Folge: Bis zu 300 000 der 18 Millionen AOK Versicherten haben in den ersten beiden Monaten gekündigt. Der Teufelskreis in dem das AOK-System seit Jahren steckt, hat sich weiter beschleunigt.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma verspricht ein neuer krankheitsorientierter Finanzausgleich, den die Bundesregierung allerdings erst für 2009 versprochen hat. Bis dahin bleibt dem AOK-System nur, zumindest das Schuldenproblem der besonders teuren Ortskrankenkassen durch einen konsequenten bundesweiten Finanzausgleich anzugehen. Dazu waren die wohlhabendere Ortskrankenkassen wie Sachsen, Thüringen oder Westfalen-Lippe bislang aber nicht bereit. Die aktuellen Mitgliederverluste sind daher zumindest zum Teil hausgemacht. Mitleid ist also Fehl am Platz.

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