Kreditkrise
Kommentar: Rückkehr der Hoffnung

Für Jubel ist es zu früh. Wer genau hinschaut, erkennt, dass jetzt nur die gröbsten Überreaktionen der Krise zurückgenommen werden.
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Die positiven Signale sind unübersehbar: Nicht nur die Versicherer investieren wieder in die von der Kreditkrise geschüttelten Anleihen, auch Fondsgesellschaften wagen sich erneut an die Papiere, die vor kurzem noch kaum einer mit der Kneifzange angefasst hätte. Gleichzeitig kehrt der Mut zurück an die Börse: Der deutsche Aktienindex, der im ersten Quartal um bis zu 20 Prozent abgrestürzt war, steigt über die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten. Selbst US-Finanzminister Henry Paulson deutete vorsichtig an, dass ein Ende der Krise in Sicht sei.

Doch für Jubel ist es zu früh. Wer genau hinschaut, erkennt, dass jetzt nur die gröbsten Überreaktionen der Krise zurückgenommen werden. In der allgemeinen Panik hatten Anleger auch zahlreiche Papiere in Sippenhaft genommen, die im Kern gesund waren. Nun suchen clevere Investoren quer durch alle Anlageklassen nach Schnäppchen. Gerade Versicherer, die einen sehr langfristigen Anlagehorizont haben, können jetzt in aller Ruhe für einzelne Papiere das Risiko gegen den Ertrag abwägen und gezielt zugreifen. Nicht mehr und nicht weniger.

Wie die Stimmung im Zentrum der Kreditkrise wirklich ist, zeigt ein Blick auf den Geldmarkt. Die Zinsen für längere Laufzeiten steigen seit Wochen wieder an, weil die Banken sich gegenseitig immer noch nicht über den Weg trauen und Liquidität horten. Die großen Notenbanken, die Ende vergangener Woche erneut ihre Liquiditätshilfen aufstockten, werden sicherlich nicht zum letzten Mal eingegriffen haben. Noch ist es ein weiter Weg bis zu einer Normalisierung an den Finanzmärkten. Doch eins ist jetzt erreicht: Statt der düsteren Schwarzmalerei zeigt sich nun immer öfter ein Hoffnungsschimmer. Die guten Nachrichten, die bis vor kurzem ungehört verhallten, werden immerhin wieder wahrgenommen.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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