Kreditmärkte
Aufgebläht

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Die Angst vor einer Blase am Markt für Unternehmensanleihen wächst. Immer mehr Analysten warnen davor, dass die Papiere, gemessen am Risiko, viel zu wenig Rendite bringen – also zu hoch bewertet sind. Das gilt vor allem für die Zinspapiere von Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit.

Vor gut viereinhalb Jahren – während des Platzens der Blase an den Aktienmärkten – mussten Unternehmen in Europa mit schlechten Bonitätsnoten fast 13 Prozentpunkte mehr Rendite als sichere Staatsanleihen bieten, um ihre ausfallgefährdeten Junk-Bonds (Schrottanleihen) loszuwerden. Heute greifen die Investoren schon bei Aufschlägen von durchschnittlich weniger als zwei Prozentpunkten zu.

Dabei gibt es viele potenzielle Auslöser, die die Kurse der Junk-Bonds fallen lassen und entsprechend ihre Renditen und Risikoaufschläge in die Höhe schnellen lassen könnten. Ein Gefahrenherd ist das explosionsartige Wachstum der „Leveraged Loans“ – also der Kredite, die für Übernahmen vergeben und schnell an andere Banken oder Investoren wie zum Beispiel Hedge-Fonds weiterverkauft werden. In vergangenen Jahr gab es in Europa Leveraged Loans über mehr als 260 Mrd. Euro, nach 150 Mrd. Euro im Vorjahr – und das Volumen wächst weiter. Bei diesen Krediten werden die Vorgaben immer laxer, die Banken sehen nicht mehr so genau hin und verlangen nur wenig Sicherheit. Sollte ein großer Deal platzen, würde das die allgemeine Risikoscheu der Investoren schnell steigen lassen und Firmenanleihen plötzlich unter Druck setzen.

Auch eine mögliche Hedge-Fonds-Pleite oder eine Krise in der US-Wirtschaft könnte den großen Risikoappetit, der Investoren nicht nur nach Aktien, sondern auch nach Junk-Bonds greifen lässt, schnell dämpfen. Einen Vorgeschmack dafür gab es im Februar und März, als erst die Ängste vor einem Wirtschaftseinbruch in China und dann die Krise um einige US-Hypothekenfinanzierer die Anleger schockten. Damals schnellten die besonders heftig reagierenden Risikoaufschläge für Kreditderivate kurzzeitig deutlich nach oben.

Die Ängste sind inzwischen wieder in den Hintergrund gerückt. Wie die Aktienmärkte haben sich auch die Unternehmensanleihen und Derivate schnell wieder erholt – genährt durch immer wieder positive Meldungen von der Konjunkturseite und noch guten Unternehmensdaten. Deshalb stoßen die Mahner auch in der Regel immer noch auf taube Ohren. Denn seit Jahren bringen gerade die Junk-Bonds den Anlegern gute Erträge, die Risikoaufschläge sinken immer weiter. So hält die Angst, zu früh auszusteigen und etwas zu verpassen, die Investoren bei der Stange. Aber wie lange noch?

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