Kreditmärkte
Buffetts Trick

Die gute Nachricht zuerst: Dass mit Warren Buffett erstmals auch ein westlicher Großinvestor Geld in die Hand nehmen will, um auf dem Schrottplatz der Finanzkrise ein paar wertvolle Teile aufzusammeln, sollte Mut machen.
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Der Kapitalismus in Amerika hat noch nicht kapituliert und das Feld den Staatsfonds aus Asien und den Ölscheichs aus dem Mittleren Osten überlassen.

Viel mehr Gutes lässt sich jedoch über den Rettungsplan Buffetts für drei große Anleiheversicherer nicht sagen. Allzu durchsichtig ist sein Versuch, das gesunde Geschäft mit öffentlichen Anleihen zu übernehmen und die sogenannten Monoliner auf den Subprime-Risiken sitzenzulassen.

Kurzfristig ist der Vorschlag des Orakels aus Omaha durchaus verlockend. Würde seine Rückversicherung doch auf einen Schlag das Damoklesschwert eines Bonitätsverlusts für öffentliche Schuldtitel mit einem Volumen von 800 Milliarden Dollar beseitigen. Viele Kommunen in Amerika könnten aufatmen, da ihre Kreditwürdigkeit zunächst gesichert wäre und sie sich keine Sorgen um die Kreditkosten für den nächsten Schulneubau machen müssten. Auch die Finanzaufseher und Ratingagenturen wären froh, das lästige Problem erst einmal vom Hals zu haben. Dass die Börsianer den Vorstoß Buffetts gleich mit einer kleinen Rally gefeiert haben, sagt mehr über die Verzweiflung an den Märkten als über die Substanz seines Vorschlags. Ein besserer Indikator sind da schon die Kurse der betroffenen Bondversicherer, die allesamt weiter absackten. Und das aus gutem Grund. Löst der Rettungsplan des Großinvestors doch das Kernproblem der Branche nicht.

Die Monoliner müssten immer noch für Zahlungsausfälle bei strukturierten Finanzprodukten im Wert von rund 800 Milliarden Dollar geradestehen. Eine Last, die von den kapitalschwachen Versicherern nicht zu schultern ist. Die Kreditwächter der Ratingagenturen müssten deshalb den Daumen über die Branche senken und ihr das bislang erstklassige Bonitätssiegel entziehen. Insofern haben auch die Banken nichts von dem Buffett-Plan, da der Großinvestor ihre versicherten Kreditderivate im Regen stehen lässt.

Buffett könnte die Monoliner sogar noch mehr in die Bredouille bringen. Mit dem soliden Versicherungsgeschäft mit öffentlichen Anleihen ginge der Branche ihr wichtigstes Standbein verloren. Zudem verlangt der smarte Investor eine Prämie von 150 Prozent für seine Rückversicherung. Üblicherweise reichen die Erstversicherer einen Teil ihrer Prämieneinnahmen weiter und packen nicht noch etwas oben drauf. Sollten sich die Firmen dennoch aus Not darauf einlassen, wäre ihr Schicksal besiegelt – und Buffett kann sich die Hände reiben. Steht er doch bereits mit einem eigenen Bondversicherer in den Startlöchern, um von der Schwäche der Konkurrenz zu profitieren.

Die Finanzkrise hat die Bondversicherer nicht nur in eine Existenzkrise gestürzt, sondern auch die Frage nach ihrer Existenzberechtigung aufgeworfen. Bereits jetzt ist klar, dass die Gütesiegel der Ratingagenturen das Vertrauen der Märkte verloren haben und in Zukunft eine deutlich geringere Rolle für die Investoren spielen werden. Damit ist auch das Geschäftsmodell der Anleiheversicherer obsolet. Wenn man den Noten der Agenturen nicht mehr trauen kann, verlieren Versicherungen ihren Wert, die auf diesen Bonitätsnachweisen basieren.

Die ökonomische Existenzberechtigung der Ratingagenturen und Monoliner bestand bislang darin, dass sie das Informationsdefizit an den Märkten über die Kreditwürdigkeit von Anleihen effizient ausglichen. Die Finanzkrise hat die Schwächen dieser Marktlösung schonungslos aufgedeckt. Die Antwort auf das Marktversagen ist jedoch keineswegs, dass künftig der Staat die Kreditwürdigkeit von Schuldtiteln prüfen sollte.

Die Finanzaufsicht muss aber sehr wohl dafür sorgen, dass die Arbeit von Ratingagenturen nicht durch Interessenkonflikte entwertet wird. Solange die Schuldner für ihre Bonitätsprüfung zahlen, so lange gibt es Grund, die Ergebnisse mit Skepsis zu betrachten. Am Ende müssen die Investoren selbst in die Tasche greifen, wenn sie zuverlässige Bonitätsnoten bekommen wollen. Die Bondversicherer werden in Zukunft nur noch eine Nischenrolle als Informationsagenten auf dem Markt für öffentliche Schuldtitel spielen können. Die Zeiten, da die Monoliner Kreditrisiken absicherten, die ihre Kapitalkraft um ein Vielfaches überstiegen, sollten vorbei sein.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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