Kreditmärkte
Kommentar: Hauen und stechen

  • 0

Voll entbrannt ist das Ringen um die Finanzierung der Übernahme der amerikanischen IT-Firma First Data. Es gibt einen Vorgeschmack auf den heißen Herbst an den Kreditmärkten. Wenn es bei den wenigen Konzessionen bleibt, die der US-Finanzinvestor KKR den Banken zugestehen will, werden die Finanzhäuser die Hauptlast der Liquiditätskrise tragen müssen. Lediglich eine Ergebnisgarantie für First Data will KKR den Bankern geben. An den Zinskonditionen und auch an der Hintertür, Zahlungsverpflichtungen zur Not mit neuen Schuldtiteln zu begleichen, wollen die Buy-out-Könige nicht rütteln. Das ist unrealistisch.

Kein Investor an den Kreditmärkten ist heute mehr bereit, hochriskante Anleihen für stark gehebelte Übernahmen ohne Sicherheiten und zum vollen Preis zu bezahlen. Formal können die Banken in den meisten Fällen daran nur etwas ändern, wenn sie sich auf einen Rechtsstreit einlassen. Das schadet jedoch nicht nur der Reputation, sondern kann am Ende noch teurer werden. Die Banken werden also einen Teil der Risiken und Kosten tragen müssen – wohl oder übel.

Ganz so ungeschoren, wie KKR jetzt hofft, werden die Buy-out-Könige aber auch nicht davonkommen. Schon aus Eigeninteresse müssen sie den Banken ein Stück entgegenkommen. Wollen die Private-Equity-Gesellschaften doch in den kommenden zwölf Monaten mehr als 500 Milliarden Dollar bei ihren Investoren einsammeln und damit erneut auf Firmenjagd gehen. Um diese Transaktionen zu finanzieren, benötigen sie die Hilfe der Banken.

KKR-Chef Henry Kravis gilt an der Wall Street als besonders harter Verhandlungspartner. Auch er wird einsehen müssen, dass er nicht auf Maximalforderungen bestehen kann, will er künftig noch gute Geschäfte machen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

Kommentare zu " Kreditmärkte: Kommentar: Hauen und stechen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%