Kreditverkäufe
Der Kunde zählt

Bei der internationalen Finanzkrise spielt es eine große Rolle, dass Banken in den letzten Jahren im großen Stil Kredite verkauft haben. Käufer sind oft Hedge-Fonds, Beteiligungsfonds, andere Banken oder spezielle Investmentvehikel, die von Banken gegründet wurden
  • 0

Neben der Frage, wie sich solche Verkäufe auf die Kapitalmärkte auswirken, spielt aber ein ganz anderer Aspekt eine wichtige Rolle: Wie finden es die Kunden, wenn sie plötzlich an einen neuen, ihnen häufig bisher völlig unbekannten Geschäftspartner geraten? Werden dadurch ihre Interessen verletzt?

Damit hat sich bereits der Bundesgerichtshof (BGH) beschäftigt. Er hat ein neues Gesetz gefordert, dass klare Strukturen für diesen bisher ungeregelten Markt schafft. Und spätestens damit ist das Problem bei den Politikern in Berlin gelandet. Aber auch die Unternehmen haben sich über ihren Verband, den BDI, mit in die Diskussion eingeschaltet.

Die Interessenlage ist kompliziert. Die Kunden haben keinen Vorteil davon, wenn ihr Kredit verkauft wird. Im besten Fall ist es ihnen egal. Im schlechteren Fall haben sie plötzlich eine schwächere Verhandlungsposition, wenn sie zum Beispiel eine Umschuldung aushandeln wollen und dabei auf einen neuen Kreditgeber stoßen, der gar kein Interesse an einer langjährigen Kundenbeziehung hat. Hinzu kommt bei Geschäftskunden die Angst, ein Beteiligungsfonds könne sich über einen Kreditkauf die damit verbundenen Informationen und die wirtschaftliche Macht verschaffen, um eine Übernahme einzufädeln. Der BDI steht daher mit seinen Positionen den Standpunkten der Verbraucherschützer nahe, was auch nicht alle Tage vorkommt.

Die Banken wiederum haben ein Interesse daran, dass der Markt für Kreditverkäufe – trotz Finanzkrise – erhalten bleibt. Sie haben es dadurch einfacher, einen gesunden Risikomix in ihrer Bilanz zu erreichen. Das könnte sogar bessere Kreditkonditionen ermöglichen – wenigstens auf diesem Wege sollte der Kreditverkauf im Endeffekt sogar den Kunden nutzen. Und in manchen Fällen ermöglicht ein Kreditverkauf vielleicht die Sanierung einer angeschlagenen Bank – daran gibt es meist ein übergeordnetes wirtschaftliches Interesse.

Welche Optionen hat nun der Gesetzgeber? Wahrscheinlich wird die Lösung zwischen den möglichen Extrempunkten – Verbot oder ungehinderte Freigabe von Kreditverkäufen – liegen. Die leichtere Frage dürfte lauten, wie mögliche Verkäufe bei künftigen Krediten zu regeln sind.

Hier ließe sich sehr einfach vorschreiben, dass die Bank bei Vertragsabschluss dem Kunden die Wahl lässt, ob er einem möglichen Verkauf zustimmt oder nicht. Ein wirksamer Verbraucherschutz entsteht dabei freilich nur, wenn die Kunden tatsächlich „Ja“ oder „Nein“ ankreuzen müssen, wenn also eine Zustimmung nicht irgendwo im Vertragstext, den ohnehin kein Mensch vollständig liest, versteckt ist. Bei einer solchen Regelung würde auch transparent, in welchem Ausmaß mögliche Kreditverkäufe tatsächlich Spielraum für niedrigere Zinsen geben.

Schwieriger ist die Frage, wie man mit den schon bestehenden Krediten verfahren sollte. Das Minimum dürfte hier das Recht des Kunden sein, vor einem Verkauf informiert zu werden, was bisher nicht immer passiert ist. Fairer wäre aber, ihm zumindest ein Recht auf Kündigung des Kredits einzuräumen. Hier und da gibt es Überlegungen, bei einer derartigen Kündigung die Vorfälligkeitsentschädigung (die den Zinsverlust der Bank durch die Kündigung ausgleicht) wegfallen zu lassen.

Damit würde man freilich ein Fass aufmachen, das man lieber geschlossen lässt: Das deutsche System der langfristigen Zinsbindungen, zu dem die Vorfälligkeitsentschädigung gehört, hat sich bewährt und sollte nicht angetastet werden. Sinnvoller wäre die Vorgabe, dass die verkaufende Bank Ansprechpartner für den Kunden bleibt. Möglicherweise bewegt sich der Markt ohnehin in die Richtung, dass die Banken auch beim Verkauf noch ein Stück in der Verantwortung bleiben. Das stärkt das Vertrauen der Käufer und ist hilfreich, wenn mit dem Kunden über Umschuldungen verhandelt werden muss.

Eine pragmatische Lösung für bestehende Kredite könnte auch so aussehen, dass Kunden von sich aus aktiv werden müssten, wenn sie einem angekündigten Kreditverkauf widersprechen wollen. Das würde wahrscheinlich nur die Kunden aus der Reserve locken, denen es tatsächlich ein Anliegen ist – vor allem, wenn man ihnen noch eine kleine Abschiedsprämie verspricht. Häufig wird auch diskutiert, dass der Verkauf von „faulen“ Krediten gezielt möglich bleiben soll. Aber ist das sinnvoll? Brisant sind Kreditverkäufe ja gerade dann, wenn der Kunde über Zahlungsprobleme verhandeln muss.

Kommentare zu " Kreditverkäufe: Der Kunde zählt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%