Kreditverkäufe
Richtig schützen

  • 0

Die Politik ringt um eine gesetzliche Regelung für den Verkauf von Krediten. Das Thema ist ebenso kompliziert wie wichtig. Allein schon die Tatsache, dass Bankkunden ohne Zustimmung plötzlich einem völlig fremden Kreditgeber gegenüberstehen können, mit dem sie nie einen Vertrag abgeschlossen haben, ist bedenklich. „Kredit“ hat bereits vom Wort her mit Vertrauen zu tun, und das sollte in beiden Richtungen gelten, besonders im Geschäft mit Privatkunden.

Die einfachste Lösung wäre, Kreditverkäufe einfach zu verbieten. Eine Menge spräche dafür. Das Hauptargument für Kreditverkäufe lautet, nur so könnten Banken Problemkredite aus der Bilanz schaffen und sich damit sanieren oder Platz für neue Geschäfte machen. Dieses Argument lässt sich aber exakt umdrehen: Wenn Banken wissen, dass sie Problemkredite nicht so einfach loswerden, werden sie stärker auf die Kreditqualität und eine ausreichende Eigenkapitaldecke achten. Außerdem wäre die Gefahr geringer, dass Kredite letztlich bei Investoren landen, die sie nicht beurteilen können. Mit einem Wort: Fast alles, was die internationale Finanzkrise ausmacht, wäre unmöglich.

Sieht man von diesem grundsätzlichen Punkt einmal ab, dann fallen in der Diskussion noch zwei Aspekte auf, die bedenklich sind. Zum einen stehen häufig Maßnahmen im Mittelpunkt, die vor allem den Neukunden helfen, nicht aber denen, deren Verträge schon laufen und deren Kredite vielleicht schon verkauft worden sind. Zum anderen wird betont (von manchen Anwälten aber auch bestritten), wer seinen Kredit ordentlich bediene, habe nichts zu fürchten.

Diese beiden Argumente führen in die Irre. Die „Altkunden“, deren Verträge ja noch zehn oder 20 Jahre laufen können, verdienen sogar mehr Schutz als künftige Darlehensnehmer. Denn früher konnte niemand auch nur erahnen, dass sein Kredit jemals verkauft werden könnte. Heute hingegen hatten Bankkunden die Chance, sich mit diesem Thema, das ja sogar das Fernsehen beschäftigt hat, vertraut zu machen. Und sie haben die Möglichkeit, gezielt Verträge abzuschließen, bei denen ein Kreditverkauf ausgeschlossen ist.

Der Hinweis, dass „ordentliche“ Kunden keine Probleme zu fürchten haben, zielt ebenfalls am Kern der Sache vorbei. Dahinter steckt die Unterstellung, dass die Leute, die Probleme bekommen, letztlich doch selber schuld seien. Wenn aber jemand einen Vertrag mit bis zu 30 Jahren Laufzeit abschließt, dann kann er unmöglich voraussehen, was in dieser Zeit alles passiert. Ehen haben heute nur noch begrenzte Halbwertzeiten, auch leistungsfähige Arbeitnehmer können selbst bei sehr gut verdienenden Unternehmen ihren Job verlieren. Wenn man zu Recht fordert, dass in einer Marktwirtschaft Arbeitsplätze nicht unter Naturschutz gestellt werden können, darf man Leuten, die ihre Jobs verlieren, nicht unterstellen, sie seien selbst schuld daran.

Daher ist der Einwand, wer seinen Kredit ordentlich bediene, habe nichts zu befürchten, zynisch. Gerade Leute in finanziellen Schwierigkeiten, die sich nicht einmal einen guten Rechtsanwalt leisten können, brauchen Schutz. Das heißt nicht, dass die Banken ihre Ansprüche nicht geltend machen dürften. Aber es muss geordnet zugehen dabei.

Im Mittelpunkt sollte daher die Frage stehen, wie Gläubiger Forderungen eintreiben und Sicherheiten verwerten können. Hierzu gibt es bereits Vorschläge, etwa die, vor einer Vollstreckung einen Sanierungsversuch vorzuschreiben oder sie erst ab bestimmten Summen oder Fristen zuzulassen.

Die Absicherung von Baukrediten ist in Deutschland traditionell so geregelt, dass die Bank eine ungemein starke Position hat. Die Regel ist die Grundschuld als Absicherung. Sie ist – anders als die Hypothek – zunächst einmal unabhängig von der konkreten Höhe des Darlehens verwertbar. Üblich ist auch, dass der Kunde sich vorab der „sofortigen Vollstreckung“, also dem unmittelbaren Zugriff des Gläubigers, unterwirft.

Der Einwand, gegen einen Missbrauch dieser Position des Gläubigers könne der Kunde sich ja wehren, greift zu kurz: Es ist von großer Bedeutung, wer auf dem höheren Ross sitzt, sonst würden sich die Banken solche Rechtspositionen ja gar nicht einräumen lassen. Diese starke Rechtsstellung ist aber nur so lange gerechtfertigt, wie Kunde und Bank eine langfristige Vertragsbindung eingehen, bei der beide Seiten ein Interesse daran haben, dass sie möglichst konfliktfrei bis zum Ende abläuft. Heute kann man von einer derartigen Vertrauensbasis nur noch dann ausgehen, wenn die Bank dem Kunden zugesichert hat, dass sie seinen Kredit nicht verkauft. Das sollte die Gesetzgebung berücksichtigen. Unsinnig ist dabei der Einwand, das bisherige Verfahren habe sich mehr als 100 Jahre lang bewährt: Die Welt hat sich in den letzten 100 Jahren eben verändert.

Kommentare zu " Kreditverkäufe: Richtig schützen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%