Krieg gegen den Terror
Der nächste 11. September

Im Krieg gegen den internationalen Terrorismus, den George W. Bush kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erklärte, gibt es wichtige Erfolge, die neue große Anschläge verhindert haben. Aber wirklich sicherer ist die Welt (noch) nicht geworden.

Zwei Jahre sind seit dem Mordanschlag vom 11. September vergangen, bei dem 3 000 Menschen ums Leben kamen. Im Krieg gegen den internationalen Terrorismus, den George W. Bush kurz darauf erklärte, gibt es seitdem wichtige Erfolge, die neue große Anschläge verhindert haben. Aber wirklich sicherer ist die Welt (noch) nicht geworden.

Dafür gibt es zwei Hauptgründe: Bushs selbst gesetzte Aufgabe ist so schwierig und so gewaltig, dass man sie nur mit dem jahrzehntelangen Kampf der freien Welt gegen den Kommunismus vergleichen kann. Doch anders als damals im Kalten Krieg existieren im Westen heute weder ein gemeinsames Bedrohungsgefühl noch eine gemeinsame Bedrohungsanalyse.

Um es mit den klugen Worten Robert Kagans zu sagen: Die „strategische Kluft“ zwischen den USA und den Europäern ist in den letzten zwei Jahren größer statt kleiner geworden. Ohne sie könnten wir im Kampf gegen die Terrornetzwerke viel weiter sein. Um die Kluft zu schließen, müssten sich beide Seiten bewegen.

Wollte man grob vereinfachen, so könnte man sagen: Die Europäer müssten härter und entschlossener vorgehen, die Amerikaner klüger und vorsichtiger. Die Amerikaner müssen ihre Partner einbeziehen, aber die Europäer können nicht nur als Bedenkenträger auftreten. Und: In Europa müsste wesentlich mehr Geld in den Aufbau einer modernen Armee und einer eigenen Rüstungsindustrie fließen. Das ist eine unbequeme Wahrheit, die in Deutschland niemand hören will.

Von der „uneingeschränkten Solidarität“ mit den USA, die Gerhard Schröder versprochen hatte, finden wir nur noch verwehte Spuren. Stattdessen macht sich an den linken und rechten Rändern des politischen Mainstreams klammheimliche Freude über die offenkundigen Schwierigkeiten der Amerikaner breit, den Anti-Terror-Krieg in Afghanistan und im Irak zu gewinnen.

Unseren Außenminister bewegt die Frage, wie die US-Administration wieder „einzubinden“ sei, mehr als die Frage, wie gemeinsam eine neue Qualität im Kampf gegen den Terrorismus erreicht werden könnte. Dabei sollten wir uns alle nur eine Schrecksekunde lang vorstellen, was uns drohte, wenn sich die Amerikaner geschlagen oder geschwächt aus dem Krieg gegen den Terrorismus zurückzögen: der nächste 11. September.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%