Krise bei Bear-Stearns-Hedge-Fonds
Kommentar: Die düstere Seite des Systems

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Hedge-Fonds verlieren ihren Glorienschein. Nicht erst seit den jüngsten Pleiten der Hedge-Fonds der Investmentbank Bear Stearns ist klar, dass auch diese – oftmals als „Superhirne der Börse“ bezeichneten Experten - nur mit Wasser kochen und hohe Fehlerquoten aufweisen können - und dies mit einer gewissen Beständigkeit.

Nur wenige Jahre, nachdem die Pleite des von populären Nobelpreisträgern beratenen LTCM-Hedge-Fonds das Welt-Finanzsystem erschütterte und wenige Monate, nachdem Manager des Amaranth-Hedge-Fonds nach Fehlspekulationen am US-Erdgasmarkt ihren Anteilseignern unschöne Wahrheiten über hohe Verluste beichten mussten, ist die Branche erneut in die Bredouille geraten.

Die aus Turbulenzen des Subprime-Hypothekenmarktes in den USA entstandenen neuen Schieflagen der zwei Hedge-Fonds sind deshalb von besonderer Brisanz, weil sie auch Kreditmärkte – vor allem den boomenden und wenig stabilen Markt für Kreditderivate – tangieren. Die Probleme der Hedge-Fonds machen zudem deutlich, dass die Finanzmärkte wegen ihrer zunehmenden internationalen Verflechtung immer komplexer und komplizierter werden.

Bei der Ursachenforschung sollte eines nicht in Vergessenheit geraten: Die zunehmend riskanter werdenden Aktivitäten einiger – beileibe jedoch nicht aller - Hedge-Fonds werden durch die weltweite Liquiditätsflut erleichtert. Die Krise am Subprime-Hypothekenmarkt in den USA ist nur ein Beispiel für die durch die Niedrigzinspolitik vergangener Jahre erleichterten spekulativen Exzesse. Wenn die Notenbanken jetzt beginnen, das bedenklich aufgeblähte Weltfinanzsystem durch höhere Zinsen zu mehr Stabilität zu führen, dann ist dieses Ziel zunächst nur über eine größere Instabilität zu erreichen.

Wie leicht – aber gleichzeitig gefährlich – Hedge-Fonds die „Finanzierungsmaschine“ bedienen konnten, ist am Beispiel der so genannten „Carry Trades“ zu ersehen. Die Kreditaufnahme im japanischen Yen ist zu Zinsen von zwei Prozent möglich, Investments in anderen Währungen werfen drei Mal so hohe Renditen ab. Bei höheren Zinsen und steigendem Yen-Kurs rechnen sich jedoch viele der darauf aufbauenden Hedge-Fonds-Strategien nicht mehr. Hier liegt das Potenzial für weitere Finanzmarkt-Beben und Hedge-Fonds-Krisen.

Im Endeffekt wird eine solche Beseitigung fauler und ungesunder Elemente des Finanzsystems jedoch die Stabilität der Märkte erhöhen. Pleiten von unwirtschaftlich, unprofessionell und unvernünftig agierenden Finanzinstituten sind Teil des marktwirtschaftlichen Systems - zugegebenermaßen der düstere Teil.

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