Kuba
Sinkender Stern

Mit der Erkrankung von Fidel Castro stellt sich eine Frage, die lange ein völliges Tabu war auf Kuba: Was passiert nach Fidel? In knapp zwei Wochen wird der Revolutionsführer und Staatschef, der die Insel seit 1959 regiert, 80 Jahre alt. Und auf der Zielgeraden seines Lebens steht er vor der letzten großen Herausforderung.

Er muss sicherstellen, dass die kubanische Revolution ihn überlebt. „Fidel ist die größte Stärke und zugleich die größte Schwäche der Revolution“, hat sein Freund, der kolumbianische Schriftsteller Gabriel García Márquez, einmal gesagt. Die jüngsten Revirements in der Kommunistischen Partei Kubas PCC weisen darauf hin, dass der Post-Castrismus nicht auf eine neue Führerfigur baut, sondern dass der Staatschef auf eine institutionelle Lösung setzt, in der die Partei eine tragende Rolle spielen soll und die Macht auf mehrere Schultern verteilt wird.

Rund acht der zwölf Millionen Kubaner kennen keinen anderen Staatschef als ihn. Sie haben ihr Leben lang unter dem Tropensozialismus à la Fidel gelebt. Einem System, in dem der Staatschef und seine Ausstrahlung eine größere Rolle spielen als politische Doktrinen. Und Feinde wie Freunde Castros stimmen darin überein, dass er unersetzbar ist.

Lange Jahre waren Castro und die Revolution im kollektiven Bewusstsein der Kubaner eins. Das änderte sich erst am 23. Juni 2001, als er bei einer Rede unter sengender Sonne zusammenbrach. Drei Jahre später stolperte Castro nach einem öffentlichen Auftritt und brach sich die Kniescheibe. Der Bevölkerung und dem Machtzirkel um den Revolutionsführer wurde schlagartig klar, dass auch Fidels Zeit begrenzt ist, und es begannen die Überlegungen, wie es ohne ihn weitergehen könnte.

Er selbst schnitt das Thema überraschend bei einer Rede im November in der Universität von Havanna an, als er warnte, die Revolution könne sich wegen ihrer Fehler selbst zerstören. Er beschwor die „Unumkehrbarkeit“ des kubanischen Sozialismus: „Was ist zu tun, wenn die Veteranen langsam verschwinden und die neuen Generationen nachrücken?“ fragte er damals. Deutlicher wurde sein Bruder Raúl im Juni vor den Obersten Militärs des Landes: Die Partei sei die einzig denkbare Erbin von Fidels Macht. Ohne ihn wird auf Kuba die gesamte Regierungsstruktur umgekrempelt werden.

Neben der Stärkung der Partei wird die Rezentralisierung der Wirtschaft verschärft. Eine zentrale Rolle im Erbe von Fidel Castro fällt dem jüngeren Bruder Raúl zu. Nur er kann nach Tod oder Abdanken seines Bruders dank seiner Herrschaft über Armee, Geheimdienste und zentrale Wirtschaftszweige das Überleben der Revolution sicherstellen.

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