Kurden
Neuer Anlauf

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Jetzt scheinen auch einige Generäle in Ankara erkannt zu haben, was nüchterne Beobachter immer schon wussten: Der Kampf gegen die kurdische Separatistenorganisation PKK ist mit militärischen Mitteln nicht zu gewinnen – klangen die Erfolgsmeldungen der türkischen Streitkräfte während der jüngsten Operation gegen PKK-Basen im Nordirak auch noch so triumphierend. Davon, dass die PKK zerschlagen sei, kann jedenfalls keine Rede sein. Deshalb appellierte der Oberkommandierende der Landstreitkräfte, General Ilker Basbug, nun an die Politiker in Ankara, die Lebensbedingungen in der Kurdenregion zu verbessern und reuigen Rebellen mit Gnade zu begegnen, um so die PKK zu isolieren.

Die Erkenntnis, dass wirtschaftliche Rückständigkeit, soziales Elend und Arbeitslosigkeit ein fruchtbarer Nährboden für Extremismus sind, ist nicht neu. Es hat deshalb bereits in der Vergangenheit Versuche gegeben, die Kurdenregion gezielt zu fördern. Allerdings eher halbherzig. Viel gebracht hat das der kurdischen Bevölkerung nicht. Der Irak-Krieg hat überdies die Ende der 1990er-Jahre dank des florierenden Handels ein wenig aufblühende Wirtschaft in den Grenzprovinzen weit zurückgeworfen.

Der türkische Regierungschef Erdogan verspricht den Kurden jetzt neben Investitionen auch mehr kulturelle Rechte. Wie schwer sich die Türkei damit bisher tut, zeigt der Fall des Kurdenpolitikers Hasip Kaplan, der zu einer Geldbuße verurteilt wurde, weil er auf einer Wahlkampfkundgebung Kurdisch gesprochen hatte. Erdogan ist zu wünschen, dass seine Investitions- und Bürgerrechtsoffensive mehr Erfolg hat als frühere Anläufe. Denn solange junge Kurden in ihren Städten und Dörfern keine Zukunftsperspektive sehen, werden sie weiter in die Berge gehen und sich der PKK-Guerilla anschließen.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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