Ladenschluss
Verbraucherfreundlich

Wer profitiert von längeren Ladenöffnungszeiten? Vor allem die Verbraucher, die als Arbeitnehmer nicht mehr zu klassischen Bürozeiten beschäftigt sind oder ganz einfach länger arbeiten und bei ausgedehnten Geschäftszeiten die Möglichkeit haben, sich auch während der Woche stressfrei zu versorgen.

Spürbare volkswirtschaftliche Effekte dagegen sind nach den bisherigen Liberalisierungen ausgeblieben. Logisch, das für den Konsum verfügbare Einkommen nimmt nicht zu, wenn die Geschäfte ihre Türen zu anderen Zeiten oder insgesamt länger öffnen. Dieser Nichteffekt hat auch dazu geführt, dass das Thema nicht nur bei den Gewerkschaften, sondern auch auf Seiten des Einzelhandels stark umstritten ist. Denn hier läuft ein Nullsummenspiel, hinter dem sich aber sehr unterschiedliche Wirkungen je nach Geschäftstyp verbergen. Von der nun bevorstehenden Liberalisierungsrunde über 20 Uhr hinaus werden aller Voraussicht nach vor allem die Einkaufscenter, vornehmlich in den Innenstädten, und die Kaufhäuser profitieren.

In den Centern kann die Leitung die verlängerte Öffnung schlichtweg anordnen. Für die potenziellen Kunden bedeutet das: Sie wissen, dass sie garantiert nicht vor verschlossenen Türen stehen werden. Also strömen sie gleich dorthin. Nur logisch, dass in der Bundesrepublik in den nächsten Jahren rund 60 weitere Einkaufscenter entstehen sollen. Ähnlich dürfte es in den Kaufhäusern laufen, die sich wie Ladenpassagen im Kleinen verhalten.

Das Nachsehen haben voraussichtlich kleinere Geschäfte am Stadtrand, denen die Nachfrage fehlen wird, die in das Zentrum fließt. Die in den Großstädten aus dem Boden schießenden Nightshops zeigen allerdings, dass auch das Angebot im „Kiez“ durchaus Zukunft hat. Verbraucherfreundlichkeit ist das Stichwort.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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