Lage im Irak
Nachbessern ist nötig

Wenn es noch eines letzten Beweises für die Hilflosigkeit der Supermacht USA im Irak bedurft hatte – am Sonntag wurde er geliefert: Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister Paul Wolfowitz war nicht einmal im gut gesicherten Bagdader Al-Raschid-Hotel vor einem Angriff von Terroristen sicher.

Wenn es noch eines letzten Beweises für die Hilflosigkeit der Supermacht USA im Irak bedurft hatte – am Sonntag wurde er geliefert: Der stellvertretende amerikanische Verteidigungsminister Paul Wolfowitz war nicht einmal im gut gesicherten Bagdader Al-Raschid-Hotel vor einem Angriff von Terroristen sicher. Wolfowitz’ Chef Donald Rumsfeld hat erst vor wenigen Tagen in einem internen Memo die Lage im Irak und Afghanistan in düsteren Farben gemalt – zu Recht.

Was der Irak jetzt braucht, sind wirtschaftliche Erfolge, möglichst schnell und möglichst sichtbar. Und er benötigt seine politische Souveränität zurück, damit das Feindbild der Besatzungsmacht endlich verschwindet. Gelingt dies nicht, werden die Anschläge auf unabsehbare Zeit weitergehen. Vielleicht war es eben auch diese Erkenntnis, die die Teilnehmer an der Madrider Geberkonferenz vergangene Woche zum Umdenken veranlasst hat.

Mit 13 Milliarden Dollar – neben dem amerikanischen Hilfspaket von 20 Milliarden – hat die Konferenz deutlich mehr Zusagen eingesammelt als erwartet. Zwar sind viele Hilfen als Kredite geplant, die also auch irgendwann einmal vom Irak zurückgezahlt werden müssen. Doch die Anschubwirkung, die von den Überweisungen ausgehen kann, ist nicht zu unterschätzen.

Jetzt kommt es darauf an, den Mittelfluss effizient zu koordinieren und in die richtigen Projekte zu schleusen. Die USA sollten dies getrost jenen überlassen, die damit Erfahrung haben: den Vereinten Nationen, der Weltbank, den Europäern.

Auch die Bundesregierung tut gut daran, ihren Kurs neu zu bestimmen. Das nun angekündigte Moratorium auf die vier Milliarden Irak-Schulden mit der Perspektive, einen Teil der Verbindlichkeiten sogar komplett zu erlassen, ist zwar teuer, aber richtig.

Allzu jämmerlich nahmen sich die 193 Millionen Euro aus, mit denen die deutsche Delegation in Madrid aufwartete. Bei allen heimischen Budgetproblemen ist Deutschland noch immer eine Wirtschaftsmacht und kein Zwerg. Und egal, wie man sich zum Irak-Krieg politisch stellt: Die Befriedung des Landes ist auch ein elementares deutsches Interesse, sogar aus finanzieller Sicht. Und nur ein Phantast mag glauben, dass sich Deutschland dauerhaft den finanziellen Erwartungen entziehen kann, wenn der Bedrängte USA heißt.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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