Landesbank Baden-Württemberg
Kommentar: Unter Generalverdacht

Kommt ein 100-Meter-Sprinter siegreich ins Ziel und scheint nicht ausreichend erschöpft zu sein, drängt sich in diesen Zeiten sofort die Frage auf: Hat er nicht doch etwas im Blut, was da nicht hingehört? Hat er zu Doping-Mitteln gegriffen die nur noch nicht nachgewiesen konnten?

Ein ähnliches schales Gefühl bleibt leider angesichts der sehr guten Halbjahresergebnisse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Am US-Markt für zweitklassige Hypothekenkredite sei sie „nicht direkt engagiert“ und deswegen nur „am Rande betroffen“, verkündet die Bank. Man möchte es gerne glauben. Doch angesichts der dramatischen Probleme anderer Landesbanken bleibt die Skepsis.

Der Sport steht angesichts des leichtfertigen Umgangs mit leistungssteigernden Mittel und der viel zu laschen Kontrollen unter einem schlimmen Generalverdacht. Auch viele Banken haben sich leichtfertig auf Finanzprodukte eingelassen, die kurzfristig die Rendite gesteigert haben, aber langfristig fatale Nebenwirkungen zeigen. Und auch hier scheinen die laschen Kontrollen dem Missbrauch noch Vorschub geleistet zu haben. Gute Nachrichten schüren in diesem Klima eher noch das Misstrauen.

Aus diesem Dilemma gibt es nur einen Ausweg: Vorbehaltlose Offenlegung aller Risiken und eine viel schärfere Kontrolle. Dann erst besteht die Chance, dass der Generalverdacht wieder abgelöst wird von dem, was ja eigentlich gelten sollte: Der grundsätzlichen Unschuldsvermutung, bevor Verfehlungen nachgewiesen wurden.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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