Landesbank Berlin
Kommentar: Hochmut kommt vor dem Fall

Es kommt nur höchst selten vor, dass Top-Manager für grobe Fehlleistungen zur Verantwortung gezogen werden. Umso bemerkenswerter ist es, dass heute der ehemalige Berliner CDU-Spitzenpolitiker und Bankchef Klaus-Rüdiger Landowsky tatsächlich zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Die Strafe wurde zwar zur Bewährung ausgesetzt und blieb weit unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, weshalb Landowsky noch mit dem berühmten blauen Auge davon kommt. Aber immerhin: Die Untreue ist erwiesen, Landowsky gilt als überführt.

Das alleine ist schon einer Sensation, denn die Beweisführung in solchen Fällen ist ja extrem schwierig. Aber es bestätigt sich, was viele in den neunziger Jahren in Berlin vermuteten: Landowsky, enger Freund des damaligen Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen und des langjährigen Bundeskanzlers Helmut Kohl, hat seine mächtige Doppelfunktion als CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus und als Chef der Berlin Hyp offenbar zu allerlei problematischen Geschäften missbraucht. Die Euphorie nach dem Fall der Mauer, die voluminöse Modernisierung der Ost-Berliner Plattenbauten und die Machtverhältnisse in Berlin bildeten den Nährboden für diesen Skandal. Selten passte die Redewendung „Hochmut kommt vor dem Fall“ besser als in diesem Fall: Landowsky galt ja als die „graue Eminenz“ der Berliner Politik, kein Weg führte an ihm vorbei.

Für Manager heißt das: Ackermann und die anderen Angeklagten im Mannesmann-Verfahren konnten den Untreue-Vorwurf mit hohen Geldbußen verhindern, aber Landowsky und anderen gelang das jetzt nicht mehr. Die Öffentlichkeit, Bürger wie Investoren, werden in Zukunft noch stärker hinschauen, wenn Verdachtsmomente auftauchen. Denn sie wissen jetzt, dass auch in diesen Kreisen Verurteilungen möglich sind. Der Hygiene in Politik und Wirtschaft kann das nur gut tun.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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