Landesbanken
Am Schmelzpunkt

Überall in der deutschen Kreditwirtschaft gibt es Lockerungsübungen für Fusionen. Wirklich überall? Nein, der Marktführer, die öffentlich-rechtliche Finanzgruppe, schaut dem Treiben wie im Halbschlaf zu. Dabei bietet nur eine Fusion mehrerer Landesbanken den Ausweg aus der verfahrenen Situation im öffentlichen Lager.
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Überall in der deutschen Kreditwirtschaft gibt es Lockerungsübungen für Fusionen. Die erste Garde der privaten Geldhäuser aus Deutscher, Dresdner und Commerzbank spielt Kombinationen mit der Postbank und der Citibank durch. Selbst die Genossen haben den Permafrost aufgetaut und denken wieder über ein gemeinsames Spitzeninstitut für alle Volks- und Raiffeisenbanken nach. Auch die europäischen Banken spielen mit beim Ringelreihen.

Alle sind in Bewegung - wirklich alle? Nein, der Marktführer, die öffentlich-rechtliche Finanzgruppe, schaut dem Treiben wie im Halbschlaf zu. Die sieben Landesbanken hängen zurück, sie schaffen weder eine Fusion im eigenen Lager, geschweige denn spielen sie eine Rolle bei der Umverteilung der Märkte in Europa.

Dabei gab es erst vor wenigen Tagen wieder Weckrufe für die Landesbanken und Sparkassen, die der Verbund nicht ignorieren kann. Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat vorgerechnet, dass die Landesbanken mit 43 Prozent aller Wertberichtigungen in der Finanzkrise eine überproportional schlechte Figur machen. Der Sachverständigenrat hat die Rote Karte gezückt und in klaren Worten deutlich gemacht, dass es ohne grundlegende Reformen nicht mehr weitergeht und dass die Landesbanken - nicht alle, aber einige große - die Achillesferse des deutschen Finanzsystems bleiben.

Wieder kommt mit der Warnung der "fünf Weisen" ein Anstoß für Veränderungen von außen. Das letzte gewaltige Beben, das den öffentlichen Finanzverbund Mitte 2005 in seinen Grundfesten erschüttert hat, war ebenfalls exogen. Vor drei Jahren sorgte die Brüsseler Kommission dafür, dass die staatlichen Garantien mit den antiquierten Begriffen "Anstaltslast" und "Gewährträgerhaftung" wegfielen. Seitdem müssen sich die Landesbanken ohne Ratingvorteile an den Kapitalmärkten im offenen Wettbewerb messen, meistens mit mäßigem Erfolg.

Die Gründe für den Stillstand im öffentlich-rechtlichen Lager sind seit Jahren bekannt. Die wichtigsten Eigentümer - Länder und Sparkassenverbände - haben gegenläufige Interessen. Die Ministerpräsidenten bangen um ihre Standorte und Wähler, die Sparkassen wollen eine Verdichtung, um die enormen Risiken aus dem gemeinsamen Haftungsverbund zu reduzieren. Die Fälle SachsenLB, WestLB und mit Abstrichen auch die BayernLB haben gezeigt, welcher Sprengstoff sich in den Bilanzen der Landesbanken angesammelt hat, weil sie mit Milliarden in riskante Kapitalmarktgeschäfte eingestiegen sind.

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