LANDESBANKEN
Chance verspielt

Die Bankenkrise trifft nun auch die Sparkassen-Finanzgruppe mit voller Wucht. Dabei ist es nicht die Dorf-Sparkasse, um die man sich Sorgen machen muss.
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Wieder einmal entpuppen sich die öffentlich-rechtlichen Landesbanken als Achillesferse des gesamten Finanzverbunds. Weil die regionalen Sparkassenverbände als gewichtige Eigentümer meist mit im Boot sitzen, ist die Szene in heller Aufregung: Werden die milliardenschweren Wertberichtigungen der Landesbanken aufgrund der überseeischen Zweckgesellschaften die gesamte „Solidargemeinschaft“ belasten?

Das Dilemma der Landesbanken hat politische und betriebswirtschaftliche Gründe, die sich jetzt fatal ergänzen. Da sind zunächst einmal die Ministerpräsidenten und Finanzminister in den Ländern, die in den Verwaltungsräten sitzen und glauben, in einer globalisierten Finanzwelt werde Rücksicht genommen auf die Belange in Stuttgart, München, Düsseldorf oder Leipzig. Die Landesbanken dürfen auf Brüsseler Druck hin keine direkte Förderpolitik mehr betreiben, dennoch argumentieren die Politiker mit dem Erhalt des jeweiligen Finanzplatzes. Dabei zeigt doch der Blick ins Ausland, dass es pro Staat nur noch für einen echten Finanzstandort reicht.

In Zeiten von „Subprime“ rächt es sich jetzt, dass die Konsolidierung unter den noch sieben selbstständigen Landesbanken in den vergangenen Jahren nicht vorangekommen ist. Die letzte historische Chance wurde vor wenigen Monaten verspielt: Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die WestLB und die BayernLB tanzten nur einen Sommer, dann pfiffen ihre Landesfürsten sie wieder zurück. Daran waren die Sparkassenverbände aber mit schuld, zu dreist wollten sie sich an die Spitze der Bewegung setzen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers musste sich überfahren vorkommen und trat auf die Bremse.

Das Beispiel der WestLB zeigt aber auch, dass alle Landesbanken unter den widersprüchlichen Interessen ihrer Eigentümer leiden. Politiker wie Rüttgers oder sein Amtskollege Roland Koch in Hessen wollen den Landesbanken nach dem Vorbild der LBBW einen Zugang zum breiten Massenkundengeschäft eröffnen. Dafür müssten die Sparkassen mit den Landesbanken zu Finanzkonzernen verschmolzen werden. Doch dieses Modell lehnen die Sparkassenverbände vehement ab, weil sie auf der „Arbeitsteilung“ zwischen Wholesale- und Retailgeschäft bestehen.

Diese Blockade der Eigentümer hat dazu geführt, dass sich viele Landesbanken notgedrungen in riskante Geschäfte auf den internationalen Kapitalmärkten eingelassen haben. Weil ihnen das nötige „Kampfgewicht“ für das große und lukrative Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) oder Mega-Börsengängen fehlt, wurden Milliarden in außerbilanziellen Zweckgesellschaften bewegt, manchmal wurden auch exotische Räder gedreht, wie die Spekulationen auf die Kursdifferenzen zwischen Stamm- und Vorzugsaktien von VW durch die WestLB belegen.

Was den Landesbanken fehlt, sind Größe, klare Besitzverhältnisse und bewährte Geschäftsmodelle mit „echten“ Kunden. Wenn die Scherbenhaufen bei den einzelnen Instituten zusammengekehrt sind und die ersten Bilanzen nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS auf dem Tisch liegen, wird man nicht im gleichen Trott wie bisher weiterwursteln können. Das Thema Fusionen kommt im nächsten Jahr wieder auf die Tagesordnung, die Risiken in den Büchern dürften bis Mitte 2008 offenliegen. Dann sind wieder vernünftige Bewertungen der Banken möglich, das Misstrauen wird dann schrittweise zurückgehen. Parallel dazu müssten sich Länder und Sparkassen entflechten, wobei die Sparkassen im Grunde mit zwei oder drei Spitzeninstituten auskommen würden. Die Landesbank Berlin steht als Kern ja schon bereit.

Ein Rückzug der Sparkassen aus einzelnen, nicht allen Landesbanken könnte den Weg frei machen, um privates Kapital in die Häuser zu holen. Dann würden sich endlich auch richtige europäische Perspektiven ergeben, die bisher Mangelware sind. Außerdem wären damit die Möglichkeiten zur Konsolidierung über die „drei Säulen“ aus privaten, genossenschaftlichen und öffentlichen Banken erheblich erweitert. Nur so können Institute von internationalem Format geschmiedet werden.

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