Landesbanken
Große Chance

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Dieses Mal muss es gelingen. Die mögliche Fusion der beiden Landesbanken in Stuttgart und Düsseldorf – der LBBW und der WestLB – darf nicht wieder ein Opfer der professionellen Bedenkenträger werden. Die historische Chance, neben der Deutschen Bank ein zweites Schwergewicht mit internationalem Renommee und heimischer Verwurzelung zu schaffen, dürfen die Eigentümer beider Banken – das sind vor allem die Länder, die regionalen Sparkassenverbände und bei der LBBW auch die Stadt Stuttgart – nicht ungenutzt verstreichen lassen.

Die Ausgangslage ist nicht schlecht. Immerhin hat Ministerpräsident Günther Oettinger in Stuttgart schon deutlich gemacht, dass er die Hochzeit beider Häuser gutheißen würde. Auch am Rhein ist bisher von Landesvater Jürgen Rüttgers und seinem Finanzminister Helmut Linssen keine Ablehnung zu hören. Und genau das zeichnet die neue Qualität der Fusionsbemühungen aus. Denn bisher waren es vor allem die Politiker, die aus Eitelkeit und Hasenfüßigkeit alle Bestrebungen zu einer Konsolidierung unter den immer noch acht selbstständigen Landesbanken zunichte gemacht haben. Mit Oettinger ist nun einer mutig und wagt den Sprung. Nordrhein-Westfalen darf ihn nicht ins Leere fallen lassen.

Sollte ein Prozess der Annäherung ins Rollen kommen, dann müssten die Verantwortlichen im Ländle darauf achten, dass sie nicht zu großspurig und dominant in die Verhandlungen gehen. Zwar hat Siegfried Jaschinski als Chef der LBBW Recht, wenn er sagt, die Zeit zum Handeln sei reifer denn je. Aber gerade der größere Partner muss Fingerspitzengefühl zeigen. Denn WestLB-Chef Thomas Fi-scher steht vor der schwersten Aufgabe in seiner Karriere bei der Düsseldorfer Landesbank. Sein Haus ist intern noch mit den Aufräumarbeiten einer milliardenschweren Fehlkalkulation am Aktienmarkt beschäftigt – gleichzeitig muss er die Weichen für die Zukunft stellen. Immerhin: Der endgültige Schaden aus den misslungenen Spekulationen wird wahrscheinlich 500 Millionen Euro nicht übersteigen. Bei einem Unternehmenswert beider Häuser von zusammen gut 20 Milliarden Euro wird ein Zusammenschluss daran nicht scheitern. Auch die unterschiedlichen Rechtsformen der LBBW (öffentlich-rechtlich) und der WestLB (AG) kann man angleichen, wenn der Wille vorhanden ist.

Fischers Vertrag läuft Ende 2008 aus, er muss jetzt an Bord bleiben und die WestLB in eine neue Zukunft steuern. Seine Bank ist besser als ihr Ruf. Kreative Finanzprodukte und die gute Stellung im Ausland sind Pfunde, mit denen sich wuchern lässt. Am Ende entscheidet aber nicht Fischer über das Schicksal der WestLB, sondern deren Eigentümer geben den Ausschlag. Gut die Hälfte der Anteile halten die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und in Westfalen-Lippe, 38 Prozent gehören dem Land. NRW-Finanzminister Linssen denkt natürlich in erster Linie an seinen Haushalt und kann sich einen Verkauf seiner Beteiligung vorstellen. Aber es wäre in diesem Fall falsch, wenn Linssen sein Paket einem privaten Investor andienen würde. Denn dann würde die WestLB mit einem privaten Eigentümer im Boot für die öffentlich-rechtlichen Fusions- oder Holdingmodelle definitiv ausfallen. Auch wenn Wettbewerb und privates Kapital ansonsten Vorfahrt haben müssen, aus Gründen des Pragmatismus ist hier die Ausnahme von der Regel gefragt.

NRW könnte bei einem Gelingen übrigens durchaus Vorbildcharakter bekommen, denn bundesweit streben die Sparkassenverbände eine „aktive Rolle in der Konsolidierung“ an, weil die Landesregierungen unsichere Kantonisten sind. Der rheinische Sparkassenchef Karlheinz Bentele hat sich in seinem Interview mit dem Handelsblatt, in dem er die Möglichkeit eines Verkaufs seiner gut 25-prozentigen Beteiligung an der WestLB andeutete, bereits vorgewagt. Er hat seinen Denkprozess öffentlich gemacht, was man ihm später einmal hoch anrechnen dürfte.

Früher dauerten die Diskussionen für ein engeres Zusammenrücken der Landesbanken quälend lange – das Wahrzeichen der öffentlich-rechtlichen Gruppe sei die Schnecke, witzelt Fischer gerne. Doch die Zeiten ändern sich. Die Landesbanken spüren wachsenden Druck. Im Ausland entstehen immer mächtigere Bankkonzerne, die auch auf den deutschen Markt drängen. Außerdem laufen bald die letzten günstigen Finanzierungen aus, die noch aus der früheren Zeit der Staatsgarantien für die Landesbanken stammen – damit wird das Kreditgeschäft schwieriger. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg müssen daher den Anstoß zur großen Konsolidierung geben. Sonst wird der Abstand zu den Unicredits dieser Welt uneinholbar.

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