Landesbanken
Kommentar: Schluss mit der Kleinstaaterei

Der Appell von Sparkassenpräsident Heinrich Haasis an die Landesregierungen, aus den acht Landesbanken eine schlagkräftige Großbank mit internationalem Anspruch zu bauen, verdient nicht nur Beachtung, sondern breite Unterstützung. Die Idee ist nicht ganz neu, wurde auch einmal von seinem Vorgänger Hoppenstedt lanciert, aber bei der Umsetzung ist das öffentlich-rechtliche Lager in den letzten Jahren nicht wirklich vorangekommen.

Eher im Gegenteil: Selten zuvor war der Wettbewerb, den sich die Landesbanken untereinander liefern und damit die Gewinnmargen der ganzen Branche ruinieren, heftiger als heute. Statt gemeinsam eine oder vielleicht auch zwei mächtige Landesbanken zu zimmern, halten sie sich gegenseitig klein. Viel lukratives Großgeschäft landet so in den Händen dankbarer ausländischer Konkurrenten.

Nun also soll der nächste Anlauf für die Super-Landesbank kommen. Mindestziel muss es sein, neben der Deutschen Bank ein zweites international operierendes Haus aufzubauen und damit jenseits der Grenzen nicht noch weiter zurückzufallen. Haasis verlangt daher von den Ministerpräsidenten der Länder, über ihren regionalen Schatten zu springen, ihre eigenen Beteiligungen zur Disposition zu stellen, damit dieser Konzentrationsprozess endlich voran kommt. Ob es nützt, ist fraglich: Denn bisher sind Regierungschefs wie Roland Koch, Günter Oettinger, Edmund Stoiber und Christian Wulf um keinen Preis der Welt bereit, auf Einfluss in „ihren“ Landesbanken zu verzichten.

Daher ist jetzt zwischen Politik auf Landes- und Bundesebene sowie im Sparkassenlager „leadership“ gefragt. Die zahlreichen offenen oder versteckten Hinweise und Ideen bringen niemanden weiter. Sonntagsreden haben wir genug gehört. Das Abwarten auf die Bewegung des anderen muss ein Ende haben. Nötig ist eine Art runder Tisch, moderiert zum Beispiel von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der das Ziel und den Weg zur Super-Landesbank definiert – und mit der Umsetzung nicht zögert.

Hermann-Josef Knipper
Hermann-Josef Knipper
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