Landesbanken
Mutlose Politiker

Der Automatismus funktioniert (noch) immer. Jeder neue Anstoß, jede neue Idee, Bewegung in das Lager der öffentlich-rechtlichen Landesbanken zu bringen, gerät erst einmal in das Sperrfeuer der Bewahrer und Besitzstandsdenker.

So erging es jüngst auch Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus, als er Kooperationen und Mutter-Tochter-Modelle für seine Landesbank mit potenziellen Partnern im Norden der Republik ins Spiel brachte. Prompt fühlte sich der niedersächsische Amtskollege Hartmut Möllring herausgefordert, die Avancen der Schwaben an die NordLB brüsk zurückzuweisen. In einem schnellen Beißreflex brachte Hannover die Einladung aus Stuttgart als „völlig abwegig“ zur Strecke. Vielleicht wird es sich aber schon bald rächen, dass Möllring und andere Defensivpolitiker der Diplomatie so wenig zugeneigt sind.

Zwar macht es sich zu Hause und erst recht mit Blick auf den nächsten Landtagswahlkampf für Politiker immer gut, die „eigene“ Landesbank zu verteidigen. Allerdings hat solcher Trotz einen hohen Preis. Denn in der nahenden Konsolidierungsrunde bleibt die eine oder andere Braut womöglich sitzen. Zudem könnte jeder Landesfürst erst einmal anbieten, die Zusammenlegung bestimmter Geschäftsbereiche zu diskutieren. So bleibt man im Gespräch. Sollte sich am Ende mehr daraus entwickeln, umso besser.

Die Politiker müssten auch einmal zur Kenntnis nehmen, dass sich die bisherigen Mutter-Tochter-Modelle im Markt bewährt haben. Der Landesbank Rheinland-Pfalz und auch der SaarLB wird von ihren Müttern in Stuttgart und München relativ viel Freiraum gewährt. Die Standorte Mainz und Saarbrücken blieben erhalten und mit ihnen die meist hoch qualifizierten Arbeitsplätze. Der Erfolg des Modells liegt in vielen Einzelmaßnahmen abseits der öffentlichen Diskussion, die sich am Ende aber auszahlen. Generell wird dabei die Leitlinie verfolgt, die Verwaltung zu straffen und die frei werdende Energie in den Vertrieb zu stecken.

Richtig teuer kommen in Zukunft nicht nur verpasste Chancen im Fusionspoker, sondern vor allem die harte Betriebswirtschaft wird sich bemerkbar machen. Momentan laufen die Geschäfte der Landesbanken gut, die Kapitalmärkte spielen mit, von spektakulären Firmenpleiten blieben die Institute in den letzten Jahren verschont. Aber das wird nicht immer so bleiben, die Großwetterlage für 2007 verschlechtert sich. Und, was viel nachdenklicher stimmen sollte: Die Refinanzierungsvorteile aus der „alten“ Zeit mit Staatshaftung und Spitzenratings laufen schrittweise aus. Jetzt sind die Landesbanken noch wertvoll, sind sie ein Pfund, mit dem die Politiker wuchern können. In wenigen Jahren wird das aber nicht mehr der Fall sein. Dann werden die Rahmenbedingungen schlechter sein.

Hinzu kommt, dass die Geduld der Sparkassen angesichts der komischen Eifersüchteleien der Landespolitiker langsam zur Neige geht. Die Institute vor Ort, die das Rückgrat der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe bilden und die maßgebliche Eigentümer der Landesbanken sind, leiden darunter, dass die Zusammenschlüsse wegen des Zögerns der Politiker auf sich warten lassen. Wie ein Alb sitzt ihnen die Vorstellung auf der Brust, eine Landesbank könne sich einmal verheben und dann die Sicherungstöpfe des Finanzverbunds strapazieren.

Außerdem sind die Landesbanken immer wieder versucht, in das traditionelle Massengeschäft mit den Privatkunden der Sparkassen einzudringen. Ein Hebel sind beispielsweise die Direktbanken der BayernLB und der Landesbank Hessen-Thüringen, die bundesweit auch Kunden von den regionalen Sparkassen abwerben. Diese schleichende Entsolidarisierung erhöht nicht gerade den Wert der Landesbanken.

Wahrscheinlich brauchen die Landesfürsten erst wieder einen Weckruf durch die Ratingagenturen. Diese loben zwar die regionalen Verbünde aus Landesbanken und Sparkassen, gleichzeitig fehlt ihnen aber bei den meisten Banken – die große Ausnahme ist die BayernLB – eine europäische Wachstumsperspektive. Der Abstand zu den großen Regionalbanken im Ausland, die auch Cross-Border-Mergers praktizieren, wird so tendenziell größer. Aber der Blick über den Tellerrand ist zurzeit leider keine Übung, für die unsere Landespolitiker zu gewinnen wären.

Umso rühriger bleiben die Brüsseler Politiker. Über kurz oder lang wird es diesen gelingen, die Abschottung des öffentlich-rechtlichen Lagers gegenüber den privaten Banken aufzubrechen. Wer in der dann einsetzenden großen Konsolidierung eine aktive Rolle spielen will, muss als Schwergewicht antreten, sonst wird er zum Gejagten. Deshalb müssen sich die Ministerpräsidenten heute bewegen und ihre Landesbanken neu sortieren.

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