Landesbanken
Schluss mit den Tabus

Die Gefechtslage bei den Landesbanken ist unklar. Aber das macht nichts. Die Tatsache, dass die Ministerpräsidenten und Finanzminister aus Düsseldorf, München und Stuttgart in Kontakt stehen und das Thema Konsolidierung ganz oben auf der To-Do-Liste steht, ist ein riesiger Fortschritt. Denn das zeigt: Die Zeit der Tabus ist endlich vorbei.
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Noch vor einem Jahr hätten die meisten Landesfürsten darauf bestanden, dass sie „ihre Landesbank“ nicht in ein größeres Gebilde einbringen. Aber die Schwächung der WestLB durch ihre fehlgeschlagenen Aktienspekulationen, die vom Immobilienmarkt ausgelöste Finanzkrise und das Tempo der Zusammenschlüsse im Ausland haben den Handlungsdruck so weit erhöht, dass die Politiker über ihren Schatten springen müssen. Selbst die berühmte „Südschiene“, also ein Schulterschluss zwischen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der BayernLB, darf heute ins Spiel gebracht werden, ohne dass die Idee gleich im Keim erstickt wird. Endlich reden die Beteiligten ohne große Vorbedingungen, denn in der Vergangenheit hatten zu frühe Festlegungen meist den schnellen Tod solcher Gedankenspiele bedeutet.

Der Zusammenbruch der SachsenLB im Zuge der Subprime-Krise war sicherlich so etwas wie ein Weckruf in der öffentlich-rechtlichen Bankenlandschaft. Die Risikotragfähigkeit des Instituts war einfach zu gering, was die verantwortlichen Politiker aber über viele Jahre einfach ignorierten. Jetzt ist auch bundesweit klar, dass die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die globalen Risiken größere Landesbanken erfordern.

Den Sparkassen, die bei den meisten Landesbanken zu den maßgeblichen Eigentümern zählen, war das schon lange klar, jetzt ziehen auch die Landesregierungen nach. Fusionen wären auch im Interesse der großen deutschen Konzerne, die sich Banken wünschen, die sie adäquat auf den internationalen Güter- und Kapitalmärkten begleiten können. Ein Konkurrent zur Deutschen Bank, geboren im Lager der öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute, wäre unter Wettbewerbsgründen sicherlich eine Bereicherung.

Wo die Reise jetzt für die einzelnen Landesbanken hingeht, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Die Geschäftsmodelle von LBBW und WestLB ergänzen sich durch die Kombination aus Mittelstands- und Kapitalmarktgeschäft zwar sehr gut, aber auch die Ausrichtung der Münchner auf Osteuropa könnte sowohl der LBBW als auch der WestLB gut anstehen. Übrigens: Erstaunlich ist, dass sich der Finanzplatz Frankfurt noch nicht in die Diskussion eingebracht hat, schließlich wäre er der Hauptverlierer, wenn die öffentlichen Banken und Versicherer zwischen Bayern, Baden-Württemberg und NRW neu aufgeteilt werden. Aber vielleicht rührt sich da ja etwas in den nächsten Wochen. Denn, wie gesagt, die Zeit der Tabus und Denkverbote bei den Landesbanken ist vorbei.

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