Lateinamerika
Herbst des Patriarchen

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Herr Verteidigungsminister, schicken Sie sofort zehn Panzer-Bataillone mit Flugabwehrgerät an die Grenze zu Kolumbien.“ Nein, das ist keine Fiktion, es ist ganz real. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez befahl die Truppenbewegung im Dschungel am Sonntag via TV. Zuvor hatten kolumbianische Militärs den Führer der von Chávez unterstützten Terrororganisation Farc erschossen. Weil das Ganze auf ecuadorianischem Boden stattfand und Kolumbiens Präsident Uribe es als „Notwehr“ verkaufen wollte, beorderte nun auch Ecuador Truppen an die grüne Grenze.

Das Ganze wäre nichts als eine Tropen-Posse, wenn der Hintergrund dafür nicht so ernst wäre: Denn der ehemalige Putschisten-Oberst Chávez will mit seinem Säbelgerassel von seiner sinkenden Popularität ablenken. Trotz hoher Ölpreise erhält die Bevölkerung immer weniger Lebensmittel. Armut, Kriminalität und Inflation nehmen zu. Im Herbst finden Kommunalwahlen statt, Chávez fürchtet herbe Verluste, nachdem er vor drei Monaten das Referendum über seine unbegrenzte Regierungszeit verloren hat. Ein kleiner Krieg zur Ablenkung mit Kolumbien, „dem Büttel des US-Imperiums“, käme da genau richtig.

Die Geschichte Lateinamerikas zeigt: Autoritäre Herrscher neigen dazu, Kriege anzuzetteln, um ihren Machtverlust aufzuhalten. General Galtieri hatte das in Argentinien versucht, als er die Falklands besetzte und England herausforderte. Seine Niederlage bedeutete auch das Ende des argentinischen Militärregimes. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass es zwischen Kolumbien und Venezuela nun zu ernsthaften Gefechten kommt, ein paar kleine Scharmützel könnten eine ähnliche Wendung in Caracas bringen. Chávez spürt ihn schon, den Herbst des Patriarchen.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika

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