Lateinamerika
Öl für den Sozialismus

Der anhaltende Rohstoffboom durch die hohe Nachfrage Chinas untergräbt den Einfluss der internationalen Kreditinstitutionen auf die Entwicklungsländer. Das beweist der venezolanische Präsident Hugo Chavez mit seinem Austritt aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank. Die hohen Ölpreise erlauben es dem Präsidenten des fünftgrößten Ölproduktionslands der Welt, ohne Rücksicht auf internationale Regeln sein Projekt eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ zu gestalten und dabei auch Ölquellen zu verstaatlichen. Mit einer Kriegskasse von etwa 60 Milliarden Dollar hat Chavez es nicht nötig, an wirtschaftspolitische Auflagen geknüpfte Kredite in Anspruch zu nehmen.

Mehr noch: Chavez übernimmt in Lateinamerika eine ähnliche Rolle wie China in afrikanischen Ländern wie etwa Simbabwe. Der Linkspopulist aus Caracas stellt armen Ländern so umfangreiche finanzielle und energiepolitische Hilfe zur Verfügung, dass diese ebenfalls den lästigen multilateralen Kreditinstitutionen den Rücken kehren können. Boliviens Präsident Evo Morales verkündete bereits seinen Austritt aus der Weltbank. Kollege Rafael Correa in Ecuador zahlte unlängst den IWF aus und warf den Weltbankvertreter kurzerhand aus dem Land. Fidel Castro in Kuba genießt dank des Weiterverkaufs von billigem Öl aus Venezuela einen Wirtschaftsaufschwung. Solange die Ölpreise nicht sinken, wird sich an dieser Situation wenig ändern. Die internationalen Organisationen haben kaum Einfluss auf Chavez und die von ihm protegierten Staaten. Und selbst die Ölmultis, die Chavez zu Minderheitspartnern seiner staatlichen Ölgesellschaft degradiert, spielen mit, weil sie auch so noch viel Geld verdienen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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