Lateinamerika
Rasanter Wandel

Die Wahlen in Peru sind für die Ambitionen des Populisten Chávez ein Rückschlag. Dass ausgerechnet Garcia von den Antipathien gegenüber Chávez profitiert, ist eine Ironie der Geschichte.

Es gibt zwei Verlierer der Stichwahl in Peru: Neben Ollanto Humala ist das Hugo Chávez, der venezolanische Präsident. Das hört sich überraschend an. Doch der gewählte Alan Garcia verdankt seinen Wahlsieg zu einem großen Teil der aggressiven Unterstützung, mit der Chávez den Gegenkandidaten Humala in Peru anfeuerte. Dort wollte der Öl-Caudillo das wiederholen, was ihm zuvor in Bolivien gelungen war: Evo Morales, dem Gewerkschafter der Coca-Bauern half er im Wahlkampf und band ihn nach dem Amtsantritt eng in seine bolivarianische Revolution ein, die von Venezuela und Kuba im Norden bis in den Süden des Kontinents reichen soll. Peru sollte der nächste Dominostein werden, Ecuador im Oktober fallen.

Dass ausgerechnet Garcia von den Antipathien gegenüber Chávez profitiert, ist eine Ironie der Geschichte: Denn als Präsident vor zwanzig Jahren trat er nicht viel anders auf als Chávez heute. Er hinterließ Peru mit Hyperinflation, Guerillagewalt und Korruption im totalen Chaos. Jetzt gibt er sich als geläuterter Staatsmann. Ob er das wirklich ist, muss er erst beweisen.

Dennoch stellt das klare Wahlergebnis in Peru einen Wendepunkt dar: Im Andenland zeigt sich erstmals Widerstand unter den Wählern gegen das von Chávez propagierte Politmodell. Das könnte zum Trend in ganz Lateinamerika werden. Auch anderswo gehen Politiker zunehmend auf Distanz zu Chávez: So rutschte der linke Kandidat bei den mexikanischen Präsidentschaftswahlen im Juli in den Polls ab, nachdem bekannt geworden war, dass er Kontakte zu Chávez hatte.

In Ecuador reagierte die Regierung jetzt mit einem schroffen Nein auf den Vorschlag von Chávez, die nationale Ölindustrie in einer gemeinsamen „Petroamerica“ zu vereinen. In einer Region, in der das Nichteinmischungsprinzip zu den obersten Regeln zählt, werden die Manipulationen von Chávez zunehmend weniger toleriert. Brasilien und Chile vereinbarten jetzt im Alleingang eine engere politische Zusammenarbeit angesichts der „zunehmenden Konflikte in Lateinamerika“.

Beide Länder sind immer noch verärgert über die Enteignungen der Gasindustrie in Bolivien und die bedrohte Gasversorgung ihrer Wirtschaften. Denn Chávez schickte Experten zu Hilfe nach Bolivien, sagte finanzielle Unterstützung zu und spielte sich als der große Moderator auf. Auch der kurz vor dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Wien verkündete Ausstieg Venezuelas aus der Andengemeinschaft wird als destruktiv angesehen.

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