Lateinamerika
Sterbende Diktatoren

Das Superwahljahr in Lateinamerika ist zu Ende.

Das Fazit des Wahlmarathons nach einem Dutzend Urnengängen zwischen dem Rio Grande und Patagonien lautet: An der politischen Landkarte hat sich wenig geändert. Weder fand ein starker Linksrutsch statt, wie er noch zu Jahresbeginn von der Wirtschaft befürchtet wurde. Noch konnte die bürgerliche Mitte das Rennen für sich entscheiden, wie es zeitweilig bei den Wahlen in Peru und Kolumbien nach der Jahresmitte aussah.

Die politische Großwetterlage gleicht somit der vor zwölf Monaten: In Venezuela wird Hugo Chávez weiter den linken Agitator gegen die USA spielen. Mit seinen Öldollar wird er neben Zöglingen wie Morales in Bolivien und Castros Kuba vielleicht noch den einen oder anderen Kleinstaat in der Region politisch an sich binden. Brasilien und Mexiko, die politisch und wirtschaftlich mit Abstand größten Staaten, werden ähnlich weiter regiert werden wie bisher: von dem konservativ regierenden Linken, Präsident Lula, und von einem Liberalen wie Calderon, der sich jedoch in Mexiko erstmals auf den sozialen Ausgleich seines gespaltenen Landes konzentrieren muss.

Ein neuer Trend lässt sich dennoch beobachten: Marktfreundliche Kandidaten haben fast überall bei den jüngsten Urnengängen gewonnen. Das zeigt, dass die Wähler in den gegenwärtigen Boomzeiten am Wachstum teilhaben wollen. Gleichzeitig ist überall die soziale Agenda fest verankert: Nur auf Wachstum zu setzen, ohne die Gegensätze von Arm und Reich zu verringern, funktioniert politisch nicht mehr. Trotzdem geht derzeit in Südamerika eine Ära zu Ende. Gleich zwei Diktatoren liegen im Sterben, die den Kontinent maßgeblich geprägt haben: der Militarist Pinochet in Chile und der Sozialist Castro in Kuba.

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
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