Leitartikel
Analyse: Abschied von der Toprendite

Der Quartalsverlust der Deutschen zeigt: Wie andere Institute auch kommt die Bank nicht um eine Neuausrichtung herum.
  • 0

Nun hat die Finanzkrise die Deutsche Bank voll erreicht. Erstmals seit fünf Jahren schreibt der Bankenprimus Verluste. Die Realität hat Konzernchef Josef Ackermann brutal eingeholt. Noch Ende Oktober vergangenen Jahres fühlte er sich stark und von der Subprime-Krise kaum betroffen. Danach musste der Deutschbanker jedoch schrittweise zurückrudern und milliardenschwere Wertberichtigungen einräumen. Das Trauerspiel findet jetzt seinen Höhepunkt mit dem Minus in der Quartalsbilanz, das nicht nur auf Ackermanns Gemüt drückt. Das ist kein vorübergehender Ausrutscher, sondern ein Einschnitt. Direkt damit verbunden ist die Botschaft: Das ambitiöse Ziel von jährlich 25 Prozent Rendite vor Steuern auf das eingesetzte Kapital gehört der Vergangenheit an.

Begründet wurde es mit den Werten der weltweiten Wettbewerber. Doch bei denen sieht es nicht besser aus als bei der Deutschen, in vielen Fällen sogar schlimmer. Noch vor einem Jahr hätten Anlageprofis auf die Frage nach der besten, der sichersten globalen Bank der Welt die Schweizer UBS ins Spiel gebracht. Doch die ist in den vergangenen Wochen knapp am Aus vorbeigeschrammt.

Die Banker mögen es drehen und wenden, wie sie wollen: Mit der Finanzkrise ist eine neue Ära niedriger Renditen angebrochen – international, aber eben auch für die Deutsche Bank. Sie muss sich bescheidenere Ertragsziele setzen. Gleichwohl zählt sie immer noch zu einer kleinen Schar von aussichtsreichen Instituten, daran ändern die Verluste nichts.

Aber die roten Zahlen machen deutlich, dass selbst eine Top-Bank wie die Deutsche sich einer Neuausrichtung nicht entziehen kann. Das Investment-Banking verliert an Attraktivität, weil die Banken nicht mehr wie in der jüngsten Vergangenheit mit einem so gewaltigen Hebel arbeiten und mit geringem eingesetztem Eigenkapital hohe Gewinne stemmen können. Daran ist teilweise der Markt schuld, der besonders komplizierte strukturierte Produkte nicht mehr akzeptiert, aber zum Teil auch die Aufsicht. Verschärfte Regeln werden künftig mehr eigene Mittel etwa bei strukturierten Krediten und im Eigenhandel von den Instituten fordern. Das senkt die Rendite.

Gleichzeitig wird deutlich, dass bislang als langweilig verschriene Geschäftsbereiche in Krisenzeiten vor Attraktivität prickeln. Sie werfen einen stabilen Ertrag ab und unterliegen nur wenig den Marktschwankungen. Das gilt etwa für die Bereiche Zahlungsverkehr und das Privatkundengeschäft sowie das Asset-Management. Hier muss die Deutsche expandieren.

Der Nummer eins bleibt nur die Flucht nach vorne. Nicht umsonst hat das Frankfurter Institut in jüngster Zeit immer wieder sein Interesse an der Postbank geäußert und will sich auch die Citibank anschauen, wenn sie zum Verkauf steht. Mit der Allianz dürfte sie über den geplanten Verkauf der Dresdner Bank sprechen: Bankenmonopoly pur. Genug Geld hat die Deutsche Bank trotz des jüngsten Rückschlags, um die Übernahme zu finanzieren. Wo immer sie zum Zug kommt: Stabile Renditen sind der Charme der Neuausrichtung, doch die Erträge in diesen Bereichen sind deutlich niedriger als im Investment-Banking.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Leitartikel: Analyse: Abschied von der Toprendite"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%