Leitartikel
Bankprovinz Deutschland

Das darf doch wohl nicht wahr sein: Zum dritten Mal ist der Versuch gescheitert, aus den beiden genossenschaftlichen Spitzeninstituten DZ in Frankfurt und WGZ in Düsseldorf den drittgrößten Bankkonzern Deutschlands zu schmieden.

Die längst überfällige, nicht wirklich problematische Fusion ging einmal mehr im Dickicht persönlicher Querelen und Intrigen unter. Alle Protagonisten des Verhandlungspokers müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, kurzsichtige Bedenken über die langfristigen Chancen gestellt zu haben.Dem Finanzplatz Deutschland, der im internationalen Wettbewerb neben Deutscher Bank und Allianz-Gruppe dringend mehr starke, global agierende Finanzhäuser benötigt, haben die Fusionsverhinderer damit einen Bärendienst erwiesen. Sie haben der dynamischen ausländischen Konkurrenz gezeigt, dass Deutschlands Bankensektor – von den genannten Ausnahmen abgesehen – nach wie vor provinziell denkt und handelt und dass auf dem Weltmarkt nicht mit ihm zu rechnen ist. Während in Italien, Frankreich, Großbritannien, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden jeweils mehrere Großbanken im Weltformat heranwachsen und die Großbanken Österreichs in den letzten Jahren auf beeindruckende Weise den Finanzmarkt Mittel- und Osteuropas erobert haben, sind Deutschlands Banken seit Jahren vor allem mit sich selbst beschäftigt.

DZ und WGZ werden also getrennt weiterwursteln wie bisher. Sie werden vielleicht die eine oder andere Kooperation eingehen, aber sich nicht wirklich wehtun. Das mag noch ein paar Jahre gut gehen, aber mit einer Zukunftsstrategie hat das nichts zu tun. Wenn das Ergebnis wenigstens wäre, dass beide Banken jetzt in echten Wettbewerb träten, hätten immerhin die Kunden etwas davon. Aber damit ist kaum zu rechnen. Das Genossenschaftslager, das ein Drittel der deutschen Kreditwirtschaft repräsentiert, gibt sich damit genauso reformunwillig wie der Sparkassensektor, dem das Abschotten des eigenen Verbunds traditionell wichtiger ist als das Vorankommen des Finanzplatzes in seiner Gesamtheit. Die Unterdrückung des Wettbewerbs durch das Regionalprinzip und die Unverkäuflichkeit der Sparkassen, die mit den Landesbanken fast 50 Prozent des deutschen Finanzmarkts kontrollieren, wurden am Wochenende daher erneut von EZB-Präsident Trichet kritisiert.

Da die deutschen Banker und ihre Verbände offenbar mit ihrem Latein am Ende sind, ist jetzt die Politik gefragt. Nicht im Genossenschaftssektor, aber im öffentlich-rechtlichen Bereich. Von neuen Sparkassengesetzen und einer von Länderegoismen befreiten Konsolidierung der Landesbanken würde ein echter Modernisierungsschub ausgehen. Und der Bund könnte die Post zwingen, endlich den Verkauf der Postbank in die Wege zu leiten. Die Politik hätte also die Chance, etwas für die Zukunft des Finanzplatzes zu tun. Hätte, könnte, würde – da zu viele Interessen berührt und Pfründe gefährdet sind, dürfte leider nichts dergleichen passieren. Irgendwann aber wird der Druck des Marktes so stark sein, dass auch der letzte Provinzfürst die Vorteile des freien Wettbewerbs und starker heimischer Player begreift. In der Zwischenzeit wird der Rückstand zu den Konkurrenten im Ausland immer größer.

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