Leitartikel
Die Krise schwelt weiter

Die Finanzkrise ist noch lange nicht ausgestanden.
  • 0

Das zeigen sowohl die Nacht-und-Nebel-Aktion bei der SachsenLB, die unter das Dach der Landesbank Baden-Württemberg flüchtet, als auch die jüngste Liquiditätsspritze der US-Notenbank Fed für die Mammutbanken Citi und Bank of America. Die von bonitätsschwachen Hypothekendarlehen in den USA ausgelöste Krise geht so tief, dass wir uns auf weitere Rückschläge einstellen sollten. Sie könnten sogar die Stabilität des Weltfinanzsystems testen.

Wie gefährlich die Lage bleibt, zeigt sich am Agieren des Chefaufsehers der deutschen Banken, Jochen Sanio. Er setzte Politik und Banken unter Druck, am Wochenende innerhalb weniger Stunden eine Lösung für die SachsenLB zu finden. Deshalb wurde noch nicht einmal das sächsische Parlament gefragt, das normalerweise seine Zustimmung zum Verkauf hätte geben müssen. Eile war geboten, weil eine Pleite des Instituts drohte. Sie hätte das deutsche Bankensystem erneut in Verruf gebracht und die Kredite aller Landesbanken massiv verteuert.

Die SachsenLB steuert nun bei der größten heimischen Landesbank einen sicheren Hafen an. Und gleichzeitig kommt die Bankenkonsolidierung voran. Gut so. Doch damit sind die Probleme keineswegs vorbei – weder in Deutschland noch in den USA und in anderen Ländern. Einen Hinweis darauf gibt die ungewöhnliche Liquiditätszufuhr der Fed für die größten Banken der Welt vor dem vergangenen Wochenende.

Eigentlich dürften die Citi und die Bank of America nicht auf solche Hilfen der US-Notenbank angewiesen sein. Doch niemand blickt gegenwärtig durch: Wie es um die einzelnen Banken wirklich steht, wird sich wohl erst mit den Quartalszahlen im Oktober oder November zeigen. Derzeit forsten alle Institute ihre Wertpapierportfolios auf der Suche nach möglichen Problemen durch – und spielen sie gleichzeitig herunter. Auch die Zahlen ihrer Geschäftspartner prüfen sie genau. Möglicherweise muss sich noch so manche Bank an eine starke Schulter anlehnen.

Von der Finanzkrise werden am Ende nicht nur Deutschland und die USA betroffen sein, wie man gegenwärtig meinen könnte. Es ist noch viel zu wenig aus Ländern wie Italien und Spanien oder aber von den Investmentbanken in Großbritannien zu hören. Viele Institute werden saftige Verluste im Eigenhandel verbuchen. Sie stehen unter dem Druck, ihre Portfolios zu bereinigen, um ihr Überleben zu garantieren.

Doch darin kann sich die Krisenbewältigung nicht erschöpfen. Konsequenzen müssen vor allem die Aufsichtsräte und Bankenaufsichten ziehen. Nur wer das moderne Bankgeschäft versteht, gehört in den Aufsichtsrat einer Landesbank. Bei den wenigsten Politikern ist das der Fall. Zudem brauchen wir wieder eine Risikokontrolle, die diesen Namen auch verdient. Die Finanzaufseher sollten ihre Vorschriften verschärfen. Investmentgesellschaften außerhalb der Bankbilanzen darf es künftig allenfalls noch eingeschränkt geben.

Es kann nicht sein, dass Tochterfirmen im freien Raum herumschwirren, stark zu den Erträgen oder Verlusten der Banken beitragen, aber nicht adäquat mit Eigenkapital unterlegt werden. Nur wer direkt haftet, geht verantwortungsvoll mit Risiken um.

Robert Landgraf
Robert Landgraf
Handelsblatt / Chefkorrespondent Finanzmärkte

Kommentare zu " Leitartikel: Die Krise schwelt weiter"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%