Leitartikel
Eine falsche Runde

Rom wird keinen Frieden bringen.“ Diese von einem Hisbollah-Abgeordneten im Beiruter Parlament formulierte Wertung der Nahostkonferenz in Italiens Hauptstadt klingtpessimistisch und zynisch zugleich. Sie passt exakt in das weit verbreitete Klischee von der islamistischen Terrororganisation.

Gleichwohl: Die Sentenz spiegelt präzise die grausame Realität wider. Da mag Romano Prodi noch so sehr optimistische Formeln strapazieren. Als Gastgeber musste er zwangsläufig gute Miene zum bösen Spiel machen.

Doch das Treffen in Rom war bereits im Vorfeld zur Erfolglosigkeit verurteilt. Dies zeigt insbesondere die Liste der Teilnehmer. Vertreter jener Staaten und Gruppen, um die es in diesem Konflikt schließlich geht, sucht man vergebens: Diplomaten aus Israel und dem Libanon, auch Repräsentanten der Palästinenser und der Hisbollah. Und diese lassen sich von einer Condoleezza Rice und einem Frank-Walter Steinmeier, von einem Kofi Annan oder mit am Tisch sitzenden arabischen Emissären nicht so mir nichts dir nichts einen Waffenstillstand diktieren.

Schon gar nicht, wenn über die Truppenstärke einer viel zu früh und viel zu laut angedachten Uno-Militärmission im Kriegsgebiet eher phantasiert denn seriös diskutiert wird. Und dies auch noch vor dem Hintergrund der Tötung von vier Blauhelmsoldaten durch die israelischen Streitkräfte.

Die Konferenz war also allenfalls eine Veranstaltung für die Galerie. Sie sollte dem internationalen Publikum intensives Engagement für den Frieden suggerieren. Fairerweise muss freilich die Einigung auf humanitäre Hilfe für die unter der Brutalität dieses Krieges leidende Zivilbevölkerung als positives Resultat notiert werden. Aber wer wollte sich bei diesem Punkt der Agenda schon verweigern?

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