Leitartikel
Gewinner der Globalisierung

Mehr als jemals zuvor glänzen Deutschlands Unternehmen im Ausland. Bei einigen drängt sich der Eindruck auf, dass hier zu Lande nur noch die Zentrale residiert und damit beschäftigt ist, das in der Ferne verdiente Geld zu zählen.

Wer jetzt die nationalistisch-chauvinistische Karte zieht und Verrat an der Heimat geißelt, verurteilt die Falschen. Denn die Realität zeigt: Wer frühzeitig den Weg in das Ausland einschlug, hat sich alle Freiheiten geschaffen, im aktuellen Aufschwung zu Hause zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen. Lange Zeit schienen Pessimisten Oberwasser zu haben, weil Deutschland als Hochlohnland im harten weltweiten Wettbewerb eigentlich nur verlieren konnte. Es ist schließlich nicht von der Hand zu weisen, dass die Unternehmen billige Produktionsstandorte suchen und die heimischen Verbraucher die günstigsten Produkte kaufen, gleichgültig, wo sie hergestellt werden. Einem derartigen globalisierten Zangengriff schienen Sozialstaaten mit einer Rundumversorgung à la Deutschland nicht gewachsen zu sein.

Doch weit gefehlt! Der erste große Aufschwung in den etablierten Industrienationen seit dem Siegeszug des Internets zur Jahrtausendwende macht ausgerechnet Deutschland zu einem Gewinner der Globalisierung. Denn all jene Unternehmen, die ihren Kunden und Märkten frühzeitig folgten, tragen heute überdurchschnittlich stark zum heimischen Aufschwung bei. Das zeigen die aktuellen Bilanzen der Konzerne: Firmen, die in Deutschland überdurchschnittlich investieren und Mitarbeiter einstellen, sind seit langem überproportional im Ausland engagiert. Direktinvestitionen im Ausland gehen also langfristig mit höheren Inlandsinvestitionen einher. Das belegen schlüssig auch Studien der Deutschen Bundesbank und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Paradebeispiel ist Deutschlands Vorzeigebranche, der Maschinenbau. Hier sind die Wechselwirkungen zwischen starkem Auslands- und Inlandsgeschäft am stärksten. Heidelberger Druck und Co. profitieren deshalb so außerordentlich vom Boom der Weltwirtschaft, weil sie im Ausland eine immer stärkere Präsenz zeigen. Dadurch mögen die Anteile bei Investitionen, Umsatz und Belegschaft in Deutschland sinken, nicht aber die absoluten Zahlen.

Parallel zum rasanten Wachstum in der Ferne schaffen Deutschlands Maschinenbauer hier zu Lande Arbeitsplätze: seit Juni 2005, also dem Tiefpunkt der Beschäftigung in unserer größten Branche, netto 25 000 Stellen. Im aktuellen Aufschwung schlägt das Pendel in Richtung der Optimisten. Diese begreifen Deutschland mit seinen vielen Spezialisten, einer breit gefächerten Wissensgesellschaft, einer engen Verzahnung zwischen Hochschulen und Unternehmen und seiner zentralen europäischen Lage als klaren Gewinner der Globalisierung. Wie nachhaltig dieser Sieg ist, zeigt sich aber erst, wenn die Wirtschaft nicht mehr so rund läuft wie jetzt und plötzlich viele Angebote aus aller Welt nur noch auf wenig Nachfrage treffen. Dann müssen Deutschlands Unternehmen im Hochlohnland den Beweis erbringen, auch in raueren Zeiten den Folgen der Globalisierung gewachsen zu sein.

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