Leitartikel
Private Equity ohne Magie

Deutschland ist spät dran mit seinem umstrittenen Gesetz zu Beteiligungsfonds.
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Erstens hat die Private-Equity-Branche, die auf die Beteiligung an nicht börsennotierten Unternehmen spezialisiert ist, möglicherweise bald ihre beste Zeit hinter sich. Denn die Phase extrem niedriger Zinsen geht zu Ende – und damit auch die Zeit der besonders günstigen Finanzierungen für Beteiligungsfonds; nicht von ungefähr wollen viele jetzt noch schnell an die Börse gehen. Zweitens: Während wir diskutieren, wie wir Private Equity fördern, stellen Briten und Amerikaner ihre Steuervorteile für die Branche gerade in Frage. Dort setzt sich die – richtige – Erkenntnis durch, dass es keinen Grund gibt, die Branche besonders zu bevorzugen.

Dieser Grundgedanke geht in der deutschen Diskussion unter, die sich in – durchaus relevanten – Details verliert: Wieweit werden Beteiligungsfonds selbst besteuert, wieweit nur ihre Anleger? In welcher Form werden Gewinne, die die Fondsmanager mit eigenen Kapitaleinlagen erzielen, erfasst?

Zu übermäßiger Detailverliebtheit kommt hinzu, dass die Private-Equity-Branche immer noch Emotionen hervorruft wie keine andere. Die SPD hat das mittlerweile international gängige Schlagwort „Heuschrecken“ geprägt, das der Branche eine besonders harte und kurzfristig ausgerichtete Politik bei ihren Beteiligungsunternehmen unterstellt. Auf der anderen Seite gelten sie aber als vitale Branche, die Umstrukturierungen vorantreibt und unverzichtbar ist.

Die Wahrheit liegt dazwischen. Es gab in den vergangenen Jahren neben schlechten genug gute Beispiele. Private Equity ist eine von vielen Finanzierungsformen, sie ist keineswegs automatisch ein Segen oder ein Fluch. Dazu kommt: Auch die angelsächsischen Länder entdecken, dass die Manager der Branche keine Magier sind, sondern ihre Erfolge vor allem niedrigen Zinsen und Steuern verdanken. In ihrer aktuellen Reifephase ertrinkt die Branche im Geld der Anleger und kauft immer größere Unternehmen, die sie zum Teil immer länger behält. Viele Beteiligungsfonds entwickeln sich de facto zu Mischkonzernen.

Beide Stichwörter – „eine Finanzierungsform unter vielen“ und „de facto Mischkonzerne“ – werfen aber die Frage auf, warum man die Branche steuerlich besonders fördern sollte. Das Argument, in anderen Ländern habe Private Equity mehr Bedeutung als bei uns, daher gebe es hier „Nachholbedarf“, klingt doch etwas dürftig. Wäre es ausschlaggebend, müssten andere Länder überlegen, wie sie Familiengesellschaften fördern – denn das ist immer noch das Erfolgsmodell im deutschen Mittelstand.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat also mit seiner Grundlinie Recht, sich gegen größere Steuervorteile und damit auch gegen die Vorstellungen von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zu wehren. Steinbrück will die Finanzierung von Unternehmensgründungen fördern, was sicher ein hehres Ziel ist. Aber selbst in diesem Bereich sind zu hohe Erwartungen nicht angebracht. Denn die Finanzierung von Gründern scheitert meist daran, dass Geldgeber deren Ideen nicht einschätzen können. Und daran ändern Steuervorteile alleine nichts. Hier braucht es mehr Unternehmer mit spezieller Branchenkenntnis, die als „business-angels“ Gründern mit Rat und Geld zur Seite stehen.

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